Spiegel zur Seele?

Als ich im April 2009 ernsthaft angefangen habe, an meinem aktuellen Projekt zu arbeiten Frakturen, war ich auch auf der Suche nach einem Mann, der als Bild für meinen Protagonisten herhalten konnte. Ausnahmsweise geht es ja mal um schöne Menschen, also blätterte ich diverse Bekleidungskataloge durch, um jemanden zu finden, der das verkörperte, was ich mir vorstellte:
– Ende Dreißig
– gut gebaut, aber nicht zu ausladende Muskeln
– kein ständiges Grinsen im Gesicht
Das letzte Kriterium war am schwersten zu erfüllen, weil die meisten Models scheinbar nur einen (oder wenn es hochkommt zwei) Gesichtsausdrücke zur Schau stellen.
Irgendwann fand ich einen, der paßte gut. Mal ernst, mal lächelnd, mal mit einem Augenzwinkern. Die Wahl war gefallen. Über die Zeit habe ich etliche Bilder gesammelt, auf denen er sehr unterschiedlich aussieht. Schön, damit kann ich arbeiten.

Durch Zufall habe ich jetzt herausgefunden, wie der Mann heißt. Neugierig, wie ich als Autorin nun mal bin, habe ich nachgeforscht.

Ein Amerikaner, lebt in Ohio mit Frau und drei Kindern. Seine Frau betreibt einen Account bei Facebook, die Bilder sind frei zugänglich, also habe ich sie mir angesehen. Sie hat sogar Ähnlichkeit mit der Frau, die für mich Johanna ist. Was für ein Zufall.
Doch je mehr ich da gesehen habe, desto verwirrter war ich. Manche der Fotos sahen genau so aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Lebenssituationen des realen Mannes so abgelichtet, wie ich es mir für meinen Charakter vorgestellt hatte. Zufall?
Wirklich?
Natürlich hat die Wahl des Bildes auch meine Figur beeinflußt. Aber wie kommt es, daß ich aus den Fotos (professionellen Aufnahmen noch dazu) so viel herausgelesen konnte? Habe ich ihn deshalb herausgepickt, weil er so viel sehen läßt von sich, nicht so zweidimensional ist?
Wie viel steckt von dem Model in meiner Figur? Will ich das??

Und irgendwie führt das zu einer anderen Frage – wenn jemand Fotos von mir ansieht, welches Bild würde da entstehen?

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