Im Untergrund von Defihausen – Abstieg! (Blogsoap)

Ich stehe mir hier die Beine in den Bauch, es ist kalt, meine Füße sind Eisklötze! Es ist schon dunkel, und der Typ taucht immer noch nicht auf. Ich sehe mich wieder um. Der Bedienstetenparkplatz des Städtischen Klinikums leert sich langsam, Leute kommen aus dem Hintereingang, gehen erschöpft zu ihrem Auto und fahren davon. Zu einem gemütlichen Essen in die Null-Linie wahrscheinlich … oder nach Hause zu ihren Karate-Kids. Ich reibe meine Hüfte.
Und ich stehe hier und friere. Nur wegen Doktor Heimlich. Geschlagene drei Stunden habe ich Sonntag mit dem Mann in der Null-Linie gesessen (Was bisher geschah – am Ende des Kapitels). Rücken an Rücken, den ganzen Nachmittag. Und da hat er vom Leder gezogen über den Sumpf in Defihausen, die Machenschaften der Oberen, den Klüngel der Kittelträger.
Doktor Heimlich … daß ich nicht lache. Was Dämlicheres hätte er sich nicht ausdenken können. Doktor Labertasche würde besser passen. Doktor Unzuverlässig. Doktor …
„Frau Federkiel?“

Ich schaffe es, nicht zusammenzuzucken. Er ist es! Dieser Stimme hatte ich Sonntag ein paar Stunden gelauscht. Ich fahre herum. Vor mir steht ein dürrer, großer Mann, die Schirmmütze tief ins Gesicht gezogen. Er hat den riesigen Kragen seines Mantels so hochgeschlagen, daß ich von seinem Gesicht kaum was sehen kann. Und er trägt eine Sonnenbrille.
„Federkiel“, sage ich bestimmt. „Einfach nur Federkiel.“
Er nickt schroff. „Kommen Sie.“
„Moment!“ Ich rühre mich nicht vom Fleck. „Warum sind Sie gestern nicht gekommen?“
Er kneift die Lippen aufeinander, faßt mich am Arm und zieht mich mit. Wenn ich eines nicht haben kann … ich reiße mich los, gehe aber mit ihm mit. „Was soll das? Wo gehen wir hin?“
„Zu offen zum Reden“, raunt er so leise, daß ich ihn fast nicht verstehe. Er steuert auf den Hintereingang des Klinikums zu, dreht dann ab und verschwindet um eine Ecke, ein Einschnitt in den Gebäuden. Ich eile hinterher, stoppe abrupt, weil der Typ an der Mauer lehnt. Ich baue mich vor ihm auf. „Doktor Heimlich“, sage ich betont, „was geht hier vor? Warum waren Sie gestern nicht da?“
„Ich wurde verfolgt.“
Ach ja? Oder sich noch mit jemand anderem getroffen? „Von wem?“
„Das weiß ich nicht. Aber ich wollte nicht das Risiko eingehen, sie zu Ihnen zu führen.“
Wie originell. „Was wollten Sie mir zeigen?“
Er holt tief Luft, als müsse er all seinen Mut zusammensammeln. „Kommen Sie“, sagt er wieder. Er wartet keine Antwort ab, geht weiter zwischen den Gebäuden entlang. Ist mir nie aufgefallen, daß es hier einen Gang gibt … Am Ende befindet sich eine Tür. Heimlich holt einen großen Schlüsselbund hervor, sucht kurz, dann schließt er auf.
Ich sehe mich um. Hätte ich mal doch dem Kuli gesagt, wohin ich gehen würde. Nicht nur so vage Andeutungen an diesen neuen Notarzt … Und die anderen sind alle mit der Entführung der Kaffeemaschine beschäftigt. Vielleicht werden sie wenigstens mißtrauisch, wenn ich bei der Krisensitzung fehlen sollte. Mein Bauch kribbelt, als hätte ich gerade Ameisen verschluckt.
Vor mir macht Heimlich die Tür auf und geht hinein. Jetzt bin ich es, die tief Luft holt. Ich krame die kleine Kamera aus meiner Tasche und folge ihm. Krachend fällt die Tür hinter uns ins Schloß.
Es ist dunkel, ich höre meinen eigenen Atem in den Ohren rauschen. Heimlichs Schritte hallen von den Wänden wider. Ich krame in der Handtasche nach meiner Taschenlampe. Doch ehe ich sie angeschaltet habe, flammt Licht auf. Heimlich steht ein paar Schritte entfernt. Er hat seine Sonnenbrille abgenommen, und der Kragen des Mantels hängt etwas herunter. Augen und Mund sind umrahmt von Falten. Er ist älter, als ich dachte. Irgendwie verleiht das seiner Geschichte mehr Glaubwürdigkeit, als wenn ein Jungspund mit so einer Story gekommen wäre.
Ohne ein Wort geht Heimlich den Gang entlang, und ich folge ihm. Ich muß fast laufen, damit ich Schritt halten kann. Wir müßten jetzt unter der Notaufnahme sein. Der Gang biegt nach links ab, wird abschüssig. Links? Da ist doch gar nichts mehr, nur noch der Parkplatz. Oder?
Tiefer und tiefer. Wieder rechts, dann links, Abzweigungen, Gänge, Türen, wieder um die Ecke. Ich versuche krampfhaft, mir den Weg zu merken, doch nach ein paar Minuten gebe ich auf. Orientierung ist nicht so meine Stärke. Mein Herz beginnt zu hämmern. Wenn der mich jetzt hier sitzen läßt …
„Wo gehen wir hin?“ Meine Stimme kommt mir schriller vor als sonst.
Heimlich antwortet nicht, geht einfach weiter. Runter, weiter runter. Dann noch eine Tür. Ich bin versucht, ihm seinen Schlüsselbund zu klauen, damit ich hier wieder rauskomme. Ich hatte ja keine Ahnung, daß unter dem Klinikum oder wo auch immer wir jetzt sind, so viele Kellergeschosse liegen.
Heimlich geht durch die Tür.
Ich folge ihm, und er macht Licht. Mein Atem stockt. Von dem ungeheuren Anblick und von dem Gestank! „Ach du Schande“, murmele ich. Ich sehe mich um.
Das, denke ich, wird die Story meines Lebens!

Fortsetzung folgt …

Was bisher geschah …

4.10. Die Ankunft (Chefarzt)
5.10. Alarm im Eurofighter (Kranker Pfleger)
5.10. Übersicht der Einwohner (Ämpee)
6.10. Vorläufiger Stadtplan Defihausen (Blaulichtblog)
6.10. Der Kittelkurier (Federkiel)
7.10. Alltag auf der Rettungswache (Paul)
7.10. Der Defibrillator (Chefarzt)
8.10. Neuer Stadtplan von Defihausen (Blaulichtblog)
8.10. Rettet die Wache (Federkiel)
8.10. Renovierungsarbeiten in Defihausen (Hermione)
10.10. Elternbesuch in Defihausen (Ämpee)
11.10. Neue Bewohner (Chefarzt)
12.10. Hauskauf des Wirtschaftsprüfers (EyeIT)
12.10. Hier Leitstelle Defihausen, kommen! (GottderAffen)
12.10. Ein widerliches Verbrechen (Hermione)
12.10. Zum Lustigen Gasmann (Rotschopf)
13.10. Sie haben Post … (Hermione)
13.10. Die fremden Zimmer (Paul)
13.10. Seltsame Dinge geschehen (GottderAffen)
13.10. Sabotage (GottderAffen)
13.10. Lebenszeichen (Hermione)

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4 Antworten zu Im Untergrund von Defihausen – Abstieg! (Blogsoap)

  1. chefarzt schreibt:

    Mann ist das spannend …

  2. Pingback: Monsterdoc – Arzt Blog, Medizin Satire » Für eine Handvoll Pillen – Die Blogsoap

  3. Physio schreibt:

    Habe Rat befolgt,Bericht gelesen,richte gerade meine Werkstätte ein,bekommst die erste Behandlung gratis falls Du aus der Versenkung wieder auf tauchst.Pass auf Dich auf Süsse.

  4. Pingback: Der geheime Stollen… « gottderaffen

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