Folge den roten Herzchen – Blogsoap

Was zuvor geschah: Das Projekt Singlebörse – Teil 2

„Ja, mein kleines Pastetchen, das mache ich doch gerne.“
Ich verkneife mir das Stöhnen und wende Bleistift den Rücken zu. Aber keine Chance, ich höre ihn trotzdem mit dieser ekelhaft schleimigen, vor Schmalz triefenden Stimme reden.
„Natürlich, mein süßer Honigbonbon, ich brauche noch zwei Stündchen hier, dann komme ich zu dir.“
Und in der Zeit würde seine neue Schnecke noch mindestens zehn Mal anrufen. Nein, der Drops ist gelutscht. Ich fahre mit ein paar schnellen Klicks den Rechner runter. Da ist mir Kuli deutlich lieber, das gepflegte Gebrülle, wenn seine Frau anruft, ist viel besser zu ertragen.
„Aber ja, mein Sahnetörtchen“, flötet Bleistift ins Telefon, dann fällt die Tür hinter mir ins Schloß.
Ich stopfe die Hände in die Jackentaschen und gehe los. Dehkah ist mit rausgekommen und läuft jetzt neben mir her. Ich stutze. Seit wann ist Cheffes Haus denn so … pink? Da wird er sich aber freuen, wenn er wiederkommt. Und dann das Herzchen am Laternenmast vor seinem Haus. Ich grinse. Wer das wohl war … Doch dann sehe ich einen Pfeil unter dem Herz.
Da ich eh in die Richtung will, gehe ich weiter, Dehkah immer noch neben mir. Noch ein Herzchen mit Pfeil, dann noch eines. Die waren gestern noch nicht da, da bin ich sicher. Das muß doch was zu bedeuten haben. Ich gehe schneller.

Ich folge den Herzchen, immer kommt gerade das nächste in Sicht, wenn man eines erreicht hat. Die Stadt ist ziemlich leer, es ist ruhig. Die Straßen zumindest, nicht aber die Gerüchteküche. Der Sensenmann von Halloween, kaum zu glauben, und doch habe ich Tpatsch sein Tagen nicht mehr gesehen, als ob er sich in seinem Haus verbarrikadiert hat. Auch von Anna habe ich lange nichts gehört, ich muß ihr mal auf die Füße treten. So lange kann doch keine DNA-Analyse dauern. Da hat doch wieder jemand seine Finger im Spiel, um was zu vertuschen.
Noch ein Herzchen.
Oder sie ist einfach so mit dieser Singlebörse beschäftigt. Ämpee ließ sogar schon Eildepeschen verlesen – keine Beteiligung an irgendwelchen Beziehungskisten.
Wieder ein Herz.
Singlebörse … Geht mir deshalb Bleistift so auf den Senkel? Weil er jetzt … und ich nicht … Dehkah streicht schnurrend um meine Beine, als ob er wüßte, woran ich gerade denke. Es ist wie ein „warum brauchst du einen Mann, du hast doch jetzt mich“-Schnurren. Ich bleibe stehen, hocke mich hin. Dehkah reibt seinen Kopf an meiner Hand, und ich kraule sein Ohr. Eigentlich hat er ja recht. Und doch …
Die Herzchen führen mich zu einer alten Gaststätte, die schon lange verlassen war. Doch irgend jemand hat die Fassade geputzt und ein neues Schild aufgehängt: ‚Das gemütliche Nest’. Ich runzele die Stirn. Liebesnest, oder was? Ist das da hinten nicht Papa Whiskey, der da um die Ecke kommt?
„Ich fürchte, hier mußt du draußen bleiben“, sage ich zu Dehkah. Er stolziert über die Straße, hüpft auf eine Mauer und läßt sich nieder. Und beobachtet alles. Ich rolle mit den Augen und gehe hinein ins ‚Nest‘. Der kleine Schankraum ist gemütlich eingerichtet, alles in Rottönen, aber nicht zu aufdringlich. Nur kleine Tische, für zwei Leute. So, so. Ob Anna hier ihre Finger im Spiel hat? Ich sehe mich um, entdecke sie aber nicht.
Ich setze mich, sofort kommt ein junger Mann, strahlt mich an. „Was kann ich dir bringen? Einen Liebespunsch zum Aufwärmen?“
„Kaffee, bitte.“
Er zieht einen Schmollmund und eilt davon. Ich sehe mich um, meine Augen gewöhnen sich endlich an das Halbdunkel. Holla, ist das nicht Hermione? Mit wem sitzt sie dann da am Tisch? Breit gebaut, Dreitagebart. Nicht übel. Aber ich dachte sie und ihr Nachbar … Sie lächelt und plaudert mit dem Typen, doch so ganz echt kommt mir das nicht vor. Will sie Cheffe eifersüchtig machen? Das wird natürlich nicht funktionieren, weil er ja nicht da ist, um das Schauspiel zu beobachten. Aber der Klatsch wird sich schon herumsprechen.
Ich kriege meinen Kaffee und lehne mich zurück. Interessant, Herr EyeIT ist auch da, und die Frau an seinem Tisch kommt mir irgendwie bekannt vor. Nein, Ämpee ist das sicher nicht. Jetzt kommt Papa Whiskey durch die Tür, und sofort recken sich die Hälse der anwesenden Damen. Ich verkneife mir ein Schmunzeln und beobachte, wie er zu einer hübschen Brünetten geht.
Die Frau bei EyeIT wirft mir dauernd Blicke zu. Jetzt steht sie auf, und ich erkenne sie. Henriette Heimlich! Was macht die denn hier? Doch dann fällt mir ein, daß Basadai was von alleinerziehender Mutter gesagt hat. Noch ehe ich mich entschließen kann, meinen Kaffee unbezahlt und ungetrunken stehen zu lassen, kommt Henriette zu mir und setzt sich hin.
Also Flucht nach vorne. „Hallo Frau Heimlich.“
„Meine Tochter sagt, Sie sind Reporterin.“
Immerhin versucht sie nicht so zu tun, als würde sie mich wegen des Katers ansprechen. Ich nicke.
„Kittelkurier?“
„Defihausener Nachrichten“, sage ich bestimmt.
„Haben Sie diesen Artikel geschrieben? Über meinen Vater?“
„Äh … ja.“
„Ich wollte sie schon längst mal anrufen.“ Sie beugt sich näher. „Die halten meinen Vater von mir fern! Er hat nichts Böses getan, aber jetzt haben sie ihn eingesperrt. Lassen keinen zu ihm.“ Sie redet schnell und leise. „Noch nicht mal mich und meine Tochter! Die Polizei sagt nur, ich müsse das mit dem Klinikum ausmachen.“ Ihre Hand schnellt vor, greift mein Handgelenk. „Sie müssen mir helfen. Wir müssen Nachforschungen anstellen! Meinen Vater da rausholen!“
Trotz der schlechten Beleuchtung sehe ich Tränen in ihren Augen schimmern. Ich habe nicht das Herz, ihr zu sagen, daß ich ihren Vater für tot halte. Also sage ich: „Wir müssen da im Augenblick die Füße still halten, aber ich bleibe am Ball.“
Henriette beginnt zu schluchzen. „Ich weiß nicht, zu wem ich sonst gehen soll. Die können einen alten Mann doch nicht von seiner Familie trennen!“
Ich lege ein paar Euro auf den Tisch, dann stehe ich auf und ziehe Henriette auf die Beine. Hier ist wirklich nicht der richtige Ort, so was zu besprechen. Sie schwankt bedenklich, und ich fasse ihren Ellenbogen, bugsiere sie durch den Schankraum. Alle glotzen uns an, aber das ist mir egal. Sollen sie doch denken, was sie wollen.
Draußen auf der Straße springt Dehkah von der Mauer und kommt zu uns. Henriette beachtet ihn nicht, sie redet und redet, während ich sie nach Hause bringe.

aktuelle Übersicht zur Zeit bei Hermione und Stöckchen beim Cheffe

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6 Antworten zu Folge den roten Herzchen – Blogsoap

  1. Pingback: Defihausener Artikelübersichtsvertretung « rescue blog

  2. Pingback: Monsterdoc – Arzt Blog, Medizin Satire » Für eine Handvoll Pillen – Die Blogsoap

  3. annajohannson schreibt:

    Freut mich, das Dir die neue Lounge gefällt- 🙂

  4. Pingback: Das Projekt Singlebörse – Teil 2 | Anna bloggt…

  5. Pingback: “Für eine handvoll Pillen” – Liebes Tagebuch [Blogsoap] « rescue blog

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