Weihnachtsspuren zum Irrenhaus – Blogsoap

Recherche ist doch was Feines, vor allem wenn man zum Mittagessen verabredet ist. Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Und Anna schien froh zu sein, zu Mittag mal rauszukommen. Ich stapfe durch den Schnee, die Hände in den Taschen vergraben. Ich kann verstehen, daß Dehkah nicht mitkommen wollte. Das hier ist kein Wetter für mich. In PNG war es wenigstens warm …
Ich ziehe die Schultern noch und gucke mißmutig auf die bunten, blinkenden, kitschigen Auslagen. Das ist auch nichts für mich. Bleistift redet von nichts anderem mehr, als was er seiner Zuckertüte wohl zu Weihnachten schenken soll. Ich versuche immer, nicht hinzuhören. Der, dem ich was schenken würde, ist gerade so weit weg von mir, wie es nur geht. Auf der anderen Seite der Erde. Und irgendwie glaube ich auch nicht, daß er der Typ für schmalzige Geschenke ist.
Ich muß mich gegen die Hauswand drücken, als mir die Frau mit dem Elch entgegen kommt. Mördergroß, das Vieh und eine echte Attraktion auf dem Weihnachtsmarkt. Defihausen wird ohnehin langsam zum Zoo. Irgend jemand hat vorgeschlagen, Basadai ein Krokodil zu Weihnachten zu schenken. Hoffentlich kommt keiner auf die Idee, mir eine Schlange schenken zu wollen.

Ich schnaufe, als ich an einem besonders wild blinkenden Haus vorbei komme. Erst hinterher geht mir auf, daß das die Feuerwache ist … Ich geb’s ja zu, ich bin ein Weihnachtsmuffel. Klar, ich habe auch so Zeugs zu Hause, aber ich habe das noch nicht ausgepackt. Flora hat zwei, drei Teile aufgehängt, aber mehr auch nicht. Das schönste Geschenk ist eh, daß sie am vierten Advent wieder zu ihren Eltern fährt. Sie wollte ja, daß ich mitkomme … lieb gemeint, aber das würde ich nicht aushalten. Da genieße ich lieber die Ruhe mit Dehkah.
Das einzig Interessante, was Flora die Tage erzählt hat, ist, daß sie sich mit Henriette Heimlich angefreundet hat. Sie sind ein paar Mal, auch zusammen mit Anna, unterwegs gewesen, um die Yaks auszuführen. Das hat mein Interesse an dem alten Heimlich wieder angestachelt. Noch immer kein Lebenszeichen von dem Wissenschaftler.
Als ich endlich im Park ankomme, steht Anna schon an der Schneebar mit einer Tasse in der Hand und winkt mich zu sich. Wir bestellen schnell ein paar Würstchen, für mich noch einen heißen Kakao. Wir plaudern ein wenig und ziehen uns dann mit dem Grillkram von der Theke zurück. Ich kann mich nicht länger zurückhalten. „Hast du was rausgefunden?“
„Nicht viel.“
„War Doktor Heimlich bei euch?“
„Ja, aber nur kurz.“
„Welche Abteilung?“ Ich ziehe die Stirn kraus. „Station 13?“
„Nein, Station 9.“
„Das ist doch … aber der Mann wurde angeschossen! Was hat der denn auf der geschlossenen gemacht?“
„Keine Ahnung“, sagt Anna zwischen zwei Bissen. „Aber nach einem halben Tag wurde er dann überstellt.“
„Einfach so? Wer hat das veranlaßt? Trollbach?“
„Die Unterschrift ist nicht lesbar. Keine Ahnung, wer das war.“
Ich halte im Kauen inne. Wenn ich Anna nicht so gut kennen würde, würde ich jetzt denken, sie steckt mit drin und vertuscht was. Aber das würde sie nicht. „Kannst du mir die Überweisung kopieren?“
„Nein, die Akte liegt beim Chef, da komme ich nicht dran. Jetzt wo EyeIT da ist, weht ein anderer Wind.“ Sie ißt in aller Seelenruhe weiter. „Hast du schon mit Henriette gesprochen?“
Nein, ich habe mich noch nicht getraut. „Es paßte noch nicht.“
Anna schiebt das letzte Würstchenstück in den Mund. „Sie ist so verzweifelt, weil sie nichts von ihrem Vater hört. Die macht bald was Dummes, das sage ich dir.“
„Irgendwie muß man da doch reinkommen“, murmele ich.
„Ins Irrenhaus?“ Anna wischt sich die Finger ab. „Das hat sie auch schon versucht. Weiter als bis zur Pforte ist sie nicht gekommen.“
„Ich gehe als Weihnachtsmann, naja, Weihnachtsfrau, was auch immer.“
„Bist du verrückt?“ Sie stockt. „Ich meine … ach du weißt schon, was ich meine. Das klappt niemals.“
Das würden wir noch sehen. Ich bezahle das Essen, und wir gehen zusammen zurück zum Klinikum, weil ich Timo noch kurz besuchen will. Kaum sind wir durch die Drehtür, schallt uns „Last Christmas“ entgegen. Ein Zwischending zwischen R2D2 und Marvin saust direkt auf mich zu, ein Tablett mit Getränken auf seinem Kopf. Du lieber Himmel! Wir lassen den Pflegeroboter stehen, weichen ein paar Weihnachtselfen aus und eilen weiter zum Fahrstuhl.
Wir verabschieden uns schnell, und ich steige Station 15 aus, Unfallchirurgie. Doch ich bleibe mitten im Flur stehen. Die Pflegeroboter singen mich an, aber ich höre das kaum. Es war nur so dahergeredet … aber eigentlich … Eine Weihnachtselfenschwester verschwindet in einem der Zimmer.
Ich grinse. Ja, so könnte das gehen.

Vorher war Anna dran, hier ist die Stöckchenzentrale.

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6 Antworten zu Weihnachtsspuren zum Irrenhaus – Blogsoap

  1. Basadai schreibt:

    Uiuiuiui, da bin ich aber gespannt, ob das klappt, was ihr da vorhabt. *daumendrück*
    Und sag bitte weiter, das mit dem Krokodil ist keine gute Idee. Jumpy und Arco würden verrückt werden und ich hätte um meine beiden große Angst. Kann ja nicht mehr mit der Machete bewaffnet in der Ecke sitzen.
    Und die Vorstellung die Kinder wollen, dass ich dann mit Krokodil an der Leine in den Kindergarten komme….

  2. Federkiel schreibt:

    Ich habe da schon gegengesteuert, keine Angst. Wenn Du was von einer Schlange hörst … gleich die Idee köpfen. Die hätte mit Dehkah nichts zu lachen.
    Und was den Plan angeht … ich bin doch endlich über meinen Schatten gesprungen und habe vorhin mit Henriette telefoniert. Mal sehen, ob wir das hinkriegen …

  3. Pingback: Monsterdoc – Arzt Blog, Medizin Satire » Für eine Handvoll Pillen – Die Blogsoap

  4. chefarzt schreibt:

    Krokodil und Schlange, prima Idee. Ich schau gleich mal in den Reptilienfachhandel hier an der Ecke. Lasst euch überraschen.

  5. Federkiel schreibt:

    @Cheffe: Aber nur gegrillt, nicht mehr roh, bitte.
    @Badadai: Wir sollten uns mal zusammensetzen …

  6. Basadai schreibt:

    @Federkiel Unbedingt, sonst hab ich Befürchtungen für die Weihnachtsfeier….

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