Bildliches Denken anzapfen – das Clustering

In einem kleinen Twitteraustausch mit Special Agent Gibbs bin ich wieder auf eine  Methode gekommen, die ich ab und an benutzt habe, schwierige Szenen in den Griff zu kriegen oder eine Idee für eine Geschichte zu entwickeln: Das Clustering.
„Erfunden“ hat es Gabriele L. Rico, und sie beschreibt es ausführlich in ihrem Buch „Garantiert schreiben lernen“ (Rowohlt Verlag).

Wie funktioniert so ein Cluster?

Ein Cluster baut auf freie Assoziationen und Verknüpfungen von Ideen auf und greift dabei auf das bildliche Denken zurück. Man beginnt mit einem Reizwort, einem Kern, malt einen schönen Kreis drum herum. Dieses Wort löst Assoziationen aus, die man nun ebenfalls aufschreibt, umkreist, mit dem Kern verbindet. Folgt man der Assoziationskette, entstehen Perlenschnüre von Worten, eines ergibt das nächste. Stockt die Reihe, geht man zum Kern zurück und beginnt einen neuen Strang oder setzt bei einem anderen Wort an. So entsteht ein Netzwerk aus Worten. Fällt einem gerade gar nichts mehr ein, sollte man ein wenig durch das Blatt „duseln“, ein paar Striche ziehen, die Kreise nachmalen. Und schon geht es weiter mit den Assoziationen. Ziemlich sicher …
Das Ganze ist bewusst so gedacht, nicht linear zu denken – das tun wir die meiste Zeit. Dieses scheinbar ziellose Anhäufen von Assoziationen ist ein guter Weg, die lineare, eingeschränkte Denkfunktion für einen Augenblick auszuschalten und das bildliche Denken anzuzapfen, abstruse Querverbindungen zuzulassen und sich treiben zu lassen.

Das Bild zeigt einen Cluster zum Thema „Alltag“, den ich mal in einem Schreibkurs angefertigt habe, irgendwann anno 1997 🙂

Und wozu das Ganze?
So ein Cluster liefert Ideen für alle möglichen Texte. Für Aufsätze, Gedichte, Kurzgeschichten, Geschäftsberichte, Songtexte, Romane, Werbetexte … Das Cluster inspiriert zu Gedanken und organisiert sie zugleich.

Danke, lieber Special Agent Gibbs, für das Wiederfinden!
Und da mich der Gedanke gerade reizt, nehme ich mir Folgendes vor: Ich werde morgen früh unvoreingenommen in der Zeitung blättern, bis mich ein Wort anspringt. Das wird dann der Kern eines Clusters. Und dann mal sehen, was für ein Text dabei herauskommt. Versucht es doch auch mal! Ich werde dann nächste Woche darüber berichten.

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3 Antworten zu Bildliches Denken anzapfen – das Clustering

  1. Blua schreibt:

    Ein schöner Artikel für alle Schreiberlinge 🙂

    Habe Cluster bisher nur in der Schule und zur Ideenfindung bei meiner ersten HA im Studium benutzt; auf die Idee es auch beim kreativen Schreiben zu nutzen, bin ich noch gar nicht gekommen. Das muss unbedingt mal ausprobiert werden 😉
    Bin schon gespannt auf deinen Bericht!

    Viele Grüße

  2. Petra schreibt:

    Gestern hat es nicht geklappt, unser lieber Besuch kam zu früh. Heute dann aber.
    Eine kleine Auswahl der Assoziationen gefällig? Raumschiff, Bauernhof, Geborgenheit, zermatschen, Mundschutz, Dioxin …
    Auflösung gibt es nächste Woche 😉

  3. Pingback: Mit Rührei aus der Krise – mein Cluster | Blog von Petra Vennekohl (Federkiel)

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