Abschied aus Defihausen – Blogsoap

Ich klappe das Handy zu und schürze die Lippen. Seltsam.
„Und was hat er geschrieben?“ Hendrik gießt den Kaffee in zwei Tassen.
„Heimlich hat in der SMS bestätigt, dass er das mit der Pharmamafia von Trollbach weiß.“
„Aber du glaubst ihm nicht?“
„Heimlich schon.“ Ich stecke das Handy weg. „Aber Trollbach nicht. Er hat Heimlich gesagt, dass er auch untertaucht, und das stimmt nicht. Und er hat gelogen, als es um seine Finanzen ging.“
„Das gibt kein Mann gerne zu, dass er Schulden hat.“
Wir lassen uns aufs Sofa nieder, und ich sehe Hendrik an. „Trollbach hat Dreck am Stecken.“
„Weil er dir nicht seine Bankauszüge gezeigt hat? Das macht ihn das nicht zu einem Verbrecher.“
Nein, aber ich habe trotzdem ein komisches Gefühl mit dem Typen. Professor hin oder her.
„Vielleicht“, sagt Hendrik, „hat er Angst.“
„Warum geht er dann nicht zur Polizei?“ Nein, glaub’s nicht. Pharmamafia … aber auch dafür habe ich noch keine Beweise gefunden, die beiden Toten sind immer noch nicht identifiziert. Allerdings waren auch die Erklärungen der Feuerwehr sehr dürftig, als es um die Explosion am Kindergarten ging.
„Sei bloß vorsichtig.“ Hendrik zieht die Stirn in Falten. „Wenn die einfach so Gebäude in die Luft sprengen …“
„Du meinst Cheffes Haus?“

Hendrik nickt, doch ich wiegele ab: „Ich habe keinen Hinweis gefunden, dass das irgendwas mit Heimlich zu tun hat.“ Die Stadt ist in Schock verfallen, weil einfach so Häuser abgefackelt werden. Und irgendwie kursiert das Wort Pharmamafia jetzt in Defihausen, was meine Recherche auch nicht gerade einfacher macht. Und das bringt auch immer Chefarzt in Zusammenhang damit. Daran hat auch die sensationelle Nachricht von der Hochzeit im Schloss nichts geändert.
„Mit der ganzen Sache ist nicht zu spaßen. Mir wäre es lieber, du würdest das aufgeben.“
Ich schüttle den Kopf und verkneife mir den Seufzer. Ich habe ihn ja wirklich gern, den Hendrik, aber wenn er jetzt so den Beschützer raushängen lässt … da ist es fast gut, dass das erstmal ein Ende hat. Jetzt seufze ich doch. „Ist deine Tasche schon gepackt?“
Er sieht mich an, den Kopf etwas schräg gelegt, doch er lässt den Themenwechsel durchgehen. Er weiß, dass er mir das eh nicht ausreden kann. „Mein Agent sieht das eher schlecht, das mit den europäischen Produktionen.“
„Wann hat er das denn gesagt?“
„Vorhin kam eine Mail.“
Ich nehme ihm die Tasse aus der Hand und stelle beide auf den Boden. Dann setze ich mich rittlings auf Hendriks Schoß und streiche über seinen hellen Stoppelputz. „Und ich habe schon gehofft, ich sehe bald deine Locken wieder.“
Er fährt selbst über seinen Kopf. „Nein, das ist so viel praktischer.“
„Ich fand deine Wuschelfrisur am Everst aber so nett.“
Er lächelt. „Da reden wir noch mal drüber.“
Das will ich hoffen. Dass wir auch weiterhin reden, auch wenn er auf der anderen Seite der Erde ist.
Er küsst mich kurz und schiebt mich dann von seinem Schoß. „Ich will nicht hetzen müssen nachher.“
Also packt er seine Tasche in den Kofferraum. Fluffy und Dehkah rennen hinter ihm her und lauern an der hinteren Autotür. „Kommt nicht in Frage“, sage ich zu den beiden.
Hendrik geht um das Auto herum und macht die andere Tür auf. Und schon gucken mich die Racker aus dem Autoinneren an. Ich rolle mit den Augen. „Du lässt ihnen immer alles durchgehen“, sage ich zu Hendrik, „und ich habe hinterher den Salat.“
Er grinst. „Solange der nicht rosa ist …“
Ich lache auf. Unmöglicher Kerl. Er geht noch mal rein, um sich von Flora zu verabschieden. Ich verziehe das Gesicht. Die werde ich jetzt auch wieder öfter auf der Pelle haben. Hendrik faltet sich in das Auto, dann sind wir schon unterwegs. Wir sprechen nicht viel auf dem Weg zum Flughafen von Stethoskopstadt, wo die ganzen internationalen Flüge abgehen. Selbst Fluffy und Dehkah sind ruhig. Kaum zu glauben, dass die vier Wochen schon rum sind, seit Hendrik gekommen ist. Und erschreckend, wie schnell ich mich daran gewöhnt habe, ihn um mich zu haben, obwohl ich doch schon seit Jahren alleine war.
Ich parke schließlich, und wir marschieren in die Empfangshalle. Hendrik hat schnell seine Tasche abgegeben, und das Gate ist sogar schon geöffnet. Wir sehen uns an und sind uns einig, dass wir das Ganze hinter uns bringen wollen. Er hockt sich hin und hält Dehkah die Hand hin. „Pass gut auf die beiden Mädchen auf!“
Der Kater reibt sich an Hendriks Hand und schnurrt so laut, dass ich es gut hören kann. Noch ehe Hendrik aufsteht, springt Fluffy in seine Arme. Er drückt sie an sich, flüstert ihr was ins Ohr. Fluffy keckert leise, und es sieht aus, als ob sie nickt. Ich schlucke. Was geht hier vor?
Hendrik setzt sie ab und steht auf. Er lächelt und greift in seine Jackentasche. „Ich habe noch was für dich.“
Mein Herz fängt an zu hämmern. Ich dachte, wir wären uns einig, was so was angeht. Hat er sich doch von Bones inspirieren lassen? „Ja?“, bringe ich irgendwie heraus.
Hendrik streckt mir ein kleines Paket hin. Ganz eindeutig kein Ring. Ich bin erleichtert und enttäuscht zugleich. Ich nehme es in die Hand. Klein und fest.
„Mach es später auf, ja? Ich will nicht, dass du mich haust.“
„Was?“ Ich muss lachen.
„Ich habe heute morgen gesehen, dass beim neuen Buchladen die Tür offen stand. Ich war kurz drin. Blua und ich haben uns nett unterhalten.“
„Das hast du mir gar nicht gesagt.“
Er grinst mich an. „Sollte ja auch eine Überraschung sein.“
Doch mir vergeht das Lachen, denn gleich ist er fort. Hendrik sieht mich an, nimmt das Geschenk aus meiner Hand und steckt es in meine Jackentasche. Er lächelt, legt seine Hände an mein Gesicht, und wie immer ist er so viel wärmer als ich. Ich schaudere.
Er streicht mit den Daumen über meine Wangen. „Nicht traurig sein, Federchen.“
Ich muss schlucken. „Bin ich nicht.“
„Nein?“
„Nein. Wir sehen uns doch wieder.“ In Australien, in Defihausen oder sonst wo. „Oder nicht, Löckchen?“
Er lacht auf und nickt. Doch dann wird er wieder ernst, beugt sich zu mir hinab und küsst mich. So sanft, dass mir doch die Tränen kommen. Doch dann lässt er mich los, wendet sich um und geht. Kurz vor den Kontrollen dreht er sich noch einmal um und winkt.
Dehkah drängt sich gegen mein Bein, Fluffy umklammert mein Hose. Ich weine, lächle und winke zurück.
Dann ist Hendrik verschwunden.
Ich seufze auf, schaue noch einen Augenblick länger hinter ihm her. Aber wie viel schlimmer war es doch in Sydney, als ich nicht wusste, wie es mit uns weitergeht. Ob wir uns wieder sehen würden. Ob wir überhaupt eine Zukunft haben.
Aber das weiß ich jetzt.
Ich wische über mein Gesicht und holte tief Luft. „Kommt, Leute, auf nach Hause.“
Die Arbeit wartet.

Vorher lesen bei Blua, weiter geht’s bei Tina Fisch. Zentrale bei Chefarzt.

Dieser Beitrag wurde unter Blogsoap, Federkiels Abenteuer abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu Abschied aus Defihausen – Blogsoap

  1. Blua schreibt:

    Langsam wird mir schon ganz mulmig davon, was hier so alles passiert. Das Gerücht um die Pharmamafia, die abgefakelten Häuser … Dabei las sich die Stadtbeschreibung bei Google so schön friedlich *nervös werd*
    Ich fand die Unterhaltung mit Hendrik übrigens auch sehr nett 🙂

  2. Pingback: Ein Traum wird wahr? « tintentraeume

  3. Pingback: Monsterdoc – Arzt Blog, Medizin Satire » Für eine Handvoll Pillen – Die Blogsoap

  4. chefarzt schreibt:

    Traurig … ein bisschen … ich frage mich, wann ihr euch wiederseht. Ich habe übrigens heute ein hübsches neues Häuschen nähe des Bücherladens von Blua bezogen. Gerüchte besagen übrigens, dass bald eine pompöse Hochzeit in Defihausen ausgerichtet wird …

  5. Federkiel schreibt:

    @Blua: Ach, was, es wird dir hier gefallen. Es ist immer was los, und wenn mal einer verletzt wird, sind genug Ärzte da. Das passt schon. Wann macht denn der Laden richtig auf?
    @Cheffe: *schnüff* Hendriks Engagement ist für zwei Monate und dann kommt er bestimmt her. Oder ich fliege hin, mal sehen. Und eigentlich wollte er zur Hochzeit kommen. Irgendwie kriegen wir das schon hin.
    Schön, dass Du so schnell wieder ein Haus gefunden hast. Wann ist denn die Einweihungsparty?

  6. chefarzt schreibt:

    Bald ist die Einweihungsparty. Klar. So wie immer. Ich meinte, die Hochzeit von Bones …

  7. Federkiel schreibt:

    Ja, und ich meinte die Hochzeit von N8engel, was ja irgendwie das Gleiche ist 🙂 Ich schätze, wenn das noch im Februar war wird, muss ich wohl alleine gehen, aber März könnte mit Hendrik wieder klappen. Ätzend, dass er ausgerechnet so weit weg immer dreht 😦
    Party ist gut. Soll ich rosa Farbe mitbringen?

  8. Blua schreibt:

    @ Federkiel: Stimmt, das ist schon mal beruhigend!
    Ich schätze, die Eröffnung wird nächste Woche sein, je nachdem wie schnell ich mit dem Aufräumen vorankomme *Staub wisch* Habe an eine kleine Eröffnungsfeier gedacht, wenn es soweit ist, um den Leuten den Laden vorzustellen 🙂
    Aber erstmal muss ich anfangen, das Sortiment aufzubauen, eine Buchhandlung ohne Bücher wäre zur Eröffnung nicht gut …

    @ Chefarzt: Ein neues Haus in der Bähe des Bücherladens? Dann auf gute Nachbarschaft 🙂

  9. Federkiel schreibt:

    @Blua: Ich werde sicher kommen. Ich bringe dann die Liste mit. Vielleicht finden sich in Deinem Sortiment auch noch mehr Schätzchen wie das, was ich von Hendrik bekommen habe *grummel*

  10. Pingback: Neues aus Defihausen: Die Weddingplanerin | Anna bloggt…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s