Mach’s bunt – mit Makros den Stil überarbeiten

Die Geschichte ist ausgefeilt, inhaltlich gibt’s nichts mehr zu ändern. Jetzt an den Stil, schließlich soll das Kleinod ja schön rund wirken und nicht holpern beim Lesen.
Also überarbeitet, Korrektur gelesen, ein bisschen gewartet, dann wieder gelesen, geändert. Sich wirklich Mühe gegeben, alles zu finden, was Leser, Lektor und einen selbst stören könnte. Man schickt die Geschichte ab und schon … sieht man doch wieder was!

Welcher Autor kennt das nicht?

Das Problem beim Überarbeiten (im Sinne von stilistischem Feinschliff) ist, dass man irgendwann „betriebsblind“ wird. Wortwiederholungen bemerkt man nicht mehr, Füllworte werden überlesen, passive Formulierungen rutschen durch, obwohl man sie doch sonst gerne ausmerzt. Plötzlich stehen über all diese widerlichen Hilfeverben!

Und nun?

Wie kriege ich die Aufmerksamkeit beim Lesen auf die Worte? Es gibt ein paar Kniffe, die helfen. Sich selbst die Geschichte laut vorzulesen, bringt vieles zu Tage.
Eine weitere Methode, die ich gerne anwende, bedient sich er Makro-Funktion der Textverarbeitung. Ich kenne meine Schwächen – ich habe Lieblingsworte, die sich in jeden Absatz schleichen wollen, Füllworte blähen den Text auf, obwohl sie keine Information bringen, manche grammatikalische Ungezogenheit drängt sich in den Text. Also habe ich mir ein paar Makros erstellt, die mir meine Schwachstellen vor Augen rufen: So suche ich zum Beispiel nach dem Wort „auch“ und lasse es einfach anmalen zu „auch“. Das gleiche mache ich mit „dann“, „noch“, „schon“ und so weiter. Und schon strotzt der Text vor farbigen Worten, die ich unmöglich überlesen kann.
Sinn ist es hier nicht, alle diese Worte zu entsorgen. Sie haben ihre Berechtigung in einem Text. Nur sollte man bei jedem schauen, ob es wirklich nötig ist oder ob sie den Text nur unnötig aufblähen.
Wie sieht das hinterher aus? Ich habe die Story „Beidseitige Rückhand“ runtergeschrieben, einmal Korrektur gelesen und seit dem steht sie auf dem Blog. Was sich wohl darin findet?
Nach dem Makro „Füllworte“ sieht der Anfang zum Beispiel so aus:

Das Rührei begann gerade in der Pfanne zu brutzeln, als es an der Tür klingelte. Helene stöhnte auf. Was hatte Karl denn jetzt wieder vergessen? Wenn ihr Nachbar noch schusseliger wurde, landete er noch im Heim!
Es klingelte noch mal. „Ja, ja“, murmelte sie. Sie drehte den Herd etwas herunter, wischte sich die Hände an der Schürze ab und ging zur Tür. Sie öffnete. „Karl, was …“

Drei Mal „noch“ in den ersten Sätzen? Ts. Das geht besser.
Das Makro „Hilfsverben“ malt mir alle „hatte“, „war“ und „würde“ an, eine gute Methode, ungewollte Rückblenden oder schwache Beschreibungen zu finden. So wie das hier:

Seine Augen waren dunkel, doch er sprach ohne Akzent. Gar nicht wie im Fernsehen. Die Hand um das Messer war so schmal wie sein Gesicht.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig und individuell einsetzbar. Als ich meinen Fantasyroman geschrieben habe, wollte ich keine „neuen“ Worte benutzen und habe immer wieder nach Verben mit „ieren“ gesucht. So wurde dann aus „Was ist passiert?“ ganz schnell „Was ist geschehen?“

Wie macht an sich denn nun so ein Makro? Extras – Makro – aufzeichnen. Dann erscheint ein Kästchen, das bedeutet, dass alles aufgezeichnet wird, was man jetzt macht. Strg/H bringt einem die Ersetzen-Funktion. Jetzt oben das gesuchte Worte eintragen, in die Zeile ersetzen natürlich auch. Dann auf „erweitern“ klicken. Wichtig ist jetzt, wieder auf das zu ersetzende Wort zu klicken und dann erst auf Format – Zeichen. Jetzt zum Beispiel rot und fett auswählen. „Alle ersetzen“ malt dann den Text an. Diese Prozedur wiederholt man dann mit allen Worten, die man markieren möchte. Danach in dem kleinen Makro-Kasten auf „stop“ drücken. Fertig.
Es macht ein wenig Arbeit beim ersten Mal. Aber das Marko bleibt gespeichert und ist jederzeit für jeden Text abrufbar.

Mir eine unschätzbare Hilfe, wenn es mal schnell gehen soll, einen Text stilistisch zu überarbeiten.

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