Erpressung in Defihausen – Blogsoap

Statt mit Hendrik sitze ich jetzt mit meinem Laptop auf dem Sofa.
Doofer Tausch.
Ich fahre den Rechner hoch und klicke Skype an, doch er ist nicht online. Wie üblich. Immerhin ist er gut angekommen, Yasi hin oder her. Die Dreharbeiten verzögern sich allerdings, weil noch Bühnenteile fehlen, die aus Cairns geliefert werden sollen. Da hätte er doch auch noch hier bleiben können. Selbst normales Telefon ist Glückssache da in der Pampa, und so viel Glück hatten wir bisher nicht. Also meistens nur Emails oder SMS, die gehen irgendwie noch durch.
Ich schaue in meine Post, aber er hat noch nicht geantwortet auf meine Mail. Dabei hätte ich so gerne seine Meinung über die neuen Informationen über Trollbach gehört. Ich stelle den Laptop auf den Wohnzimmertisch und lasse mich in die Lehne fallen.
Wie spät ist es in Australien? Plus 10 Stunden, also sehr früh am Morgen. Ich krame das Handy aus der Hosentasche. Er ist doch so ein verfluchter Frühaufsteher. Also tippe ich: „bist du schon wach?“

Ich stehe auf und hole mir noch einen Kaffee. Der hat leckerer geschmeckt, als Hendrik ihn gekocht hat, aber das ist natürlich Blödsinn. Ich wische mit den kalten Fingern über mein Gesicht. War irgendwie besser, wenn er meine Finger wärmt als so eine schnöde Tasse.
Ich seufze auf. Ja, verdammt. Ich vermisse diesen Kerl. Wie hat er das so schnell geschafft? Die anderen sind alle supernett, versuchen mich abzulenken. Tina kommt immer mal vorbei, und gestern haben Anna und ich uns auf der Wii mit Tanzen ausgetobt. Wie gut, dass das keiner gesehen hat!
Ich gehe zurück zum Sofa und Dehkah springt auf meinen Schoss, Fluffy an meine Seite. Ich bin so froh, dass sie geblieben ist. Seit Hendrik fort ist, ist sie noch anhänglicher als sonst. Das Handy summt, und ich lächle. Ich lese: „es wird gerade hell. der himmel ist dunkelblau und funkelt vor sternen. ich wünschte, du könntest das sehen.“
Ich lächle breiter. Er vermisst mich also auch. Ich tippe: „machst du ein bild für mich?“
„wenn die sonne aufgeht. hat chefarzt sein haus schon bezogen? ist der buchladen schon auf?“
Defihausen ist ihm wohl doch ans Herz gewachsen. „cheffe ist umgezogen, der laden macht nächste woche auf.“ Dass ich schon „schwedisch in vier Wochen“ bestellt habe, muss ich ihm ja nicht sagen. Und dann lächle ich und tippe dazu: „das bsek will was einstudieren für n8engel und bones. und rotschopf wird auch heiraten.“
Es dauert, ehe eine Antwort kommt. Ist er vor Schreck umgefallen? Doch dann summt das Handy wieder. „so viele hochzeiten! nicht dass du auf den geschmack kommst und ich bin nicht da.“
Mein Atem stockt. Was will er denn damit sagen? Mein Herz beginnt zu hämmern. Er meint doch wohl nicht … Es ist doch schon ein Wunder, dass ich es geschafft habe, mich auf ihn einzulassen. Das weiß er doch! Da kann er doch jetzt nicht mit so was kommen! Und …
Das Handy summt wieder. „atmest du noch oder soll ich chefarzt anrufen?“
Ich stoße die Luft aus, weil ich sie tatsächlich angehalten hatte. Dieser Kerl! Zeit, das Thema zu wechseln. „hast du meine mail gelesen? was hältst du davon? trollbach verbirgt was. nicht nur seine Schulden. aber was?“
Ich starre auf das Handy, muss aber nicht lange warten. Er schreibt: „weil er sich nicht mit dir treffen will? weil er heimlich angelogen hat? seine geldprobleme müssen nichts mit der sache zu tun haben.“
Hmm. Müssen nicht, aber das wäre doch ein bisschen zu viel Zufall, wenn das nicht zusammen gehört, oder? Immerhin hat mein Informant bei der Bank mir bestätigt, dass Trollbach diverse Kredite laufen hat und sie nicht abbezahlen kann. Auch mit dem Gehalt, das er kriegt, müssen die Zinsen ihn langsam auffressen.
Und doch finde ich keine Hinweis auf diese ominöse Pharmamafia. Ich habe mit diversen Firmen gesprochen, denen könnte so ein Impfstoff nicht egaler sein. Sie glauben nicht daran, dass damit die anderen Impfstoffe überflüssig werden. Schutzbehauptung? Ich schüttle den Kopf. Alle Spuren führen immer zu Trollbach zurück. Ich tippe: „ich finde keine spuren von pharma zu den schwarzen männern. keine beweise für eine pharmamafia. aber warum lügt trollbach heimlich an?“
Ich trinke meinen Kaffee aus und starre auf das Handy. Warum sollte er Heimlich anlügen?
Warum?
„Komm schon“, murmele ich dem Handy zu. „Antworte! Mir fällt nichts mehr ein dazu.“ Ich habe schon zu oft darüber nachgedacht. Und bin doch nicht weiter gekommen. Wenn ich mehr Informationen hätte! Diese Festplatte zum Beispiel … aber Heimlich will nicht damit rausrücken, wo er die versteckt hat. Und ohne Anweisungen würde ich die da unten sowieso nicht finden. Und damit hätte ich dann auch nur Beweise für Trollbachs und Heimlichs Genversuche, aber nicht für die Sache mit der Mafia.
Das Handy summte. Ich lese: „kein wunder dass du zu mafia nichts findest. profis. aber was wollen die schwarzen männer eigentlich? warum wollen sie heimlich?“
Ich schnaufe. Ist wohl doch noch nicht ganz wach, der Gute. „seine forschungsergebnisse. was sonst.“
„warum?“
Was meint er mit ‚warum’? Warum sie die wollen? Geld natürlich. Ich schürze die Lippen. Geld, immer nur Geld. Und Trollbach braucht welches. „geld. trollbach braucht die ergebnisse mindestens so dringend wie die mafia. das ist ein wettrennen um heimlichs ergebnisse.“
Ja, das ist zumindest ansatzweise ein Motiv. Trollbach und die Mafia wollen das Gleiche. Wenn ich in dieser Richtung weiterforsche, dann … das Handy summt. „federchen, du solltest dich da raushalten. mir ist nicht wohl bei der sache. das ist zu gefährlich. ich will nicht dass du da mitmischst.“
Ich seufze wieder auf. Darauf liefen unseren Unterhaltungen in letzter Zeit immer hinaus. Ich tippe: „ich habe doch fluffy und dk. die beiden passen schon auf mich auf. was macht die sonne?“
„versprich mir, dass du dich da raushälst.“
Ich rolle mit den Augen. „ich verspreche vorsichtig zu sein.“ Dann lächle ich und füge hinzu. „das familienfoto ist übrigens sehr schön geworden.“
„lenk nicht ab sonst kriegst du keinen sonnenaufgang. die story ist das risiko doch nicht wert. mit der mafia ist nicht zu scherzen.“
Die Story ist es wert! Ich habe schon so viel Arbeit und Zeit hinein gesteckt. Aber ich tippe: „mach dir keine sorgen ich passe auf mich auf. sieh lieber zu dass du vernünftiges internet kriegst für skype.“
„nächste woche wahrscheinlich. schickst du mir das bild?“
Ich lächle. Erwischt! „wenn ich den sonnenaufgang habe.“ Mit der einen Hand kraule ich Fluffy, mit der anderen Dehkah. Doch dann ziehe ich den Laptop auf den Schoss und klicke durch die Bilder, die wir vor Hendriks Abreise mit dem Selbstauslöser gemacht haben. Ich grinse, als ich uns auf dem Bild sehe.
„erpresserin“, kommt von Hendrik zurück.
Sinnierend blicke ich auf das Handy. Erpressung? Trollbach den Heimlich? Oder Heimlich den Trollbach? Nein, es geht um Geld. Also Trollbach die Pharmafirmen? Und jetzt jagen sie ihn?
Vielleicht.
Vielleicht auch nicht.
Aber in der Richtung muss ich weiter nachforschen. Etwas stimmt nicht an dem Dreieck Trollbach-Heimlich-Mafia. Wäre doch gelacht, wenn ich da nichts rauskriege!
Ich tippe eine schnelle Mail, weil ich Hendrik das Bild nicht vorenthalten will, Sonnenaufgang hin oder her. Ich hänge es an und schicke ich die Mail ab. Lächelnd sehe ich auf das Bild und beschließe, es auszudrucken und aufzustellen.

Vorher lesen bei Blua, weiter geht es bei Basadai. Zentrale beim Chefarzt.

Dieser Beitrag wurde unter Blogsoap, Federkiels Abenteuer abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Erpressung in Defihausen – Blogsoap

  1. annajohannson schreibt:

    schönes Foto!!! 🙂 Hendrik hat Recht, sei vorsichtig! 🙂

  2. Blua schreibt:

    So schön mit dem Sonnenaufgang … Ich hoffe, ihr könnt euch bald wiedersehen ❤
    Sei bloß vorsichtig bei den Recherchen *bibber* Wenn da tatsächlich die Mafia im Spiel sein sollte …
    Das Familienfoto ist klasse *g*

  3. Pingback: Monsterdoc – Arzt Blog, Medizin Satire » Für eine Handvoll Pillen – Die Blogsoap

  4. Federkiel schreibt:

    Ja, schlagt nur in die gleiche Kerbe. Hat er euch angestachelt, oder wie? Ich passe immer auf mich auf. (Ich bin schließlich vorher auch allein zurecht gekommen. Menno.)

  5. chefarzt schreibt:

    Super Familienfoto, und so hygienisch … Aber du lässt dir von Hendrik auch nichts sagen, was? Sei bloß vorsichtig. Falls du Unterstützung brauchst, melde dich …

  6. Federkiel schreibt:

    @Cheffe: Natürlich lasse ich mir was von ihm sagen. Aber ich mache ihm ja auch keine Vorschläge, wie er zu schauspielern hat.
    Aber vermissen tue ich ihn doch 😦

  7. chefarzt schreibt:

    Kann ich verstehen, aber immerhin bekommst du Trost von deinen 2 Kuscheltierchen.

  8. Federkiel schreibt:

    @Cheffe: Ja, wie gut. Ohne die wär’s schlimm. Und danke für das Angebot zur Hilfe. Ich werde dann ab morgen mal andere Saiten aufziehen müssen. Damit hast Du ja auch Erfahrung. 😉

  9. Pingback: Basadai » Baumkänguruh-Tag

  10. Pingback: Defihausen im Hochzeitsfieber | Anna bloggt…

  11. Pingback: Monsterdoc – Arzt Blog, Medizin Satire » Defihausen – Welttag des Baumkängurus

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s