Woche 06/2011: Emotionales Chaos

Worum es geht, ist hier zu finden. Eine Übersicht über die vergangenen Wochen gibt diese Seite.

Ziel? Roberts Sonntag abschließen, dann Johanna. Ein Tag wird draufgehen, mich auf sie wieder einzulassen. Ich hoffe, die Hälfte ihrer drei Sonntagsszenen zu schaffen.

Erreicht? Ja.
Wie erwartet war der Wieder-Einstieg in Johannas Perspektive nicht so einfach. Ich habe noch mal den Samstag Abend gelesen, um wieder rein zu kommen und dann weitergeschrieben. Es fiel mir nicht leicht, mich wieder auf ihre Wut und das emotionale Chaos einzulassen, es klappte dann aber doch ganz gut. Ich konnte es auch abschalten nach den Schreibsessions.
Nachdem ich Johanna jetzt auch die letzte Zufluchtsmöglichkeit genommen habe, muss sie aktiv werden. Die nächsten Szenen werden also hoffentlich wieder etwas leichter werden.

Was geschrieben? 55k Frakturen (Ende Roberts Sonntag, Johannas Vormittag und Nachmittag), zwei Artikel für diesen Blog und einen für den anderen.

Fazit? Emotionales Chaos der Figur lässt sich nur schreiben, wenn Autor selbst in sich ruht.

Textausschnitt: Woche 5, Sonntag, 24. Mai 2009, Vormittag (Johannas Wohnung)

Die Bilder schossen durch meinen Kopf. Alles hatte er gesehen. Und seine Stimme … seit diesem Traum erinnerte sie mich … erinnerte mich daran, was er gesehen hatte. Erinnerte mich an die Demütigung. An den Verlust meiner Würde.
Daran, dass er alles gesehen hatte.
„Nein“, presste ich heraus. Ich zerrte meine Hand unter der Decke hervor, doch ich stieß die Fernsteuerung vom Tisch. Ich stöhnte auf, fiel fast vom Sofa, als ich sie vom Boden aufklaubte. Wieder und wieder drückte ich auf Stopp, bis ich endlich die Bedienung hoch genug hielt, dass die Anlage es mitkriegte.
Robert verstummte, mitten im Satz.
Mein Hals schnürte sich zu, drückte mir die Luft ab. Ich zitterte so heftig, dass ich die Zähne aufeinander beißen musste, damit sie nicht klapperten. Von Anfang an hatte ich mich hinter Roberts Stimme verschanzt, sie benutzt, um den Erinnerungen zu entkommen. Ich krümmte mich stöhnend zusammen. Ich hatte mich an sie geklammert, weil es mir zu weh tat, mich dem Schmerz zu stellen. Weil ich die Erinnerungen nicht ertragen konnte.
Ich schluchzte auf, Tränen liefen über mein Gesicht.
Jetzt nicht mehr.
Ich würgte. Jetzt rief Roberts Stimme mir in Erinnerung, was er alles gesehen hatte. Dass er Zeuge meiner Erniedrigung war. Ich stöhnte wieder auf, krallte meine Hand in die Haare.
Keine Zuflucht mehr.
Kein Entkommen vor den Bildern.
Robert hielt sie nicht mehr fort. Er konnte mir nicht helfen. Niemand konnte das. Ich sank auf das Sofa zurück, schlang die Decke um mich und zitterte doch. Wie sollte ich die Tage aushalten, wenn ich nicht mal mehr diese Ablenkung hatte?
Jetzt stand ich nackt da.
Ausgeliefert.

Ziel für die nächste Woche? Johannas Sonntag fertig kriegen, was ehrgeizig ist, denn es sind noch eineinhalb (lange) Szenen.

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