Der Puppenspieler von Defihausen – Blogsoap

Wo ist der Typ?
Ich sehe mich im Park um, trete von einem Fuß auf den anderen, die Hände in den Taschen vergraben. Meine Finger sind eisig, wie immer in letzter Zeit. Ich gehe ein paar Schritte, tappe dann aber zurück zu dem Baum, in dem Dehkah mit dem Mikro sitzt. Tut ihm gut, bei Fluffy in die Lehre zu gehen, man sieht ihn überhaupt nicht in dem blätterlosen Baum. Ist mir ein Rätsel, wie er das macht, aber ich verkneife mir, hochzusehen, will ihn ja nicht verraten. Und Fluffy sollte jetzt auch in Stellung sein.
Es könnte jetzt losgehen. Grummelnd sehe ich mich um. „Wo bist du, Trollbach?“, murmele ich.

Déjà-vu. Auf Heimlich habe ich auch so lange gewartet und er hat mich zwei Mal versetzt. Das wäre jetzt noch die Höhe! Endlich hat Trollbach nachgegeben und einem Gespräch zugestimmt, ich lege mich mit Kuli an, weil er jetzt selbst den Bericht über die neue Kläranlage schreiben muss, und dann kommt Trollbach nicht? Würde allerdings zu dem Mist passen, dass es in seinem Büro nicht sicher wäre zu sprechen. Bla, bla, bla.
Ich lehne mich gegen den Stamm, spiele mit dem kleinen Buch in meiner Jackentasche, das Hendrik mir geschenkt hat. 101 Recherchetipps. Erst war ich sauer, dass er mir als erfahrener Journalistin so was schenkt. Aber eigentlich ein nützliches kleines Teil. Schadet nicht, sich alle Methoden mal wieder vor Augen zu holen.
Regel 15, zum Beispiel. Habe Geduld mit Informanten. Ich seufze und gucke im Park umher. Kalt, aber sonnig, das treibt die Defihausener an die frische Luft. Da hinten sind N8engel und Bones. Ich lächle. Komisch, seit klar ist, dass die beiden heiraten, fällt mir dauernd auf, dass sie zusammen unterwegs sind. Und da drüben Rotschopf mit Vanderhoff im Schlepptau. Beim Weltbaumkängurutag noch sah sie nicht so glücklich aus, jetzt allerdings …
Ich wende mich ab, aber auch auf der anderen Seite des Parks … ist das Anna? Mit wem ist sie denn da unterwegs? Entnervt schließe ich die Augen. In Defihausen ist man nicht mehr sicher vor lauter Pärchen. Selbst Dehkah und Fluffy schlafen jetzt immer aneinander gekuschelt auf dem Sofa.
Ich seufze auf. Und ich …
„Frau Federkiel?“
Ich schrecke auf. „Professor Trollbach!“ Ich zerre meine Hand aus der Tasche und strecke sie ihm hin. „Einfach Federkiel“, sage ich zum hundertsten Mal und drücke mit der anderen Hand den Signalsender für Fluffy.
„Was? Oh, ja, Entschuldigung.“
Wir schütteln uns kurz die Hände. „Warum können wir uns nicht in Ihrem Büro treffen?“ Im Warmen und bei Kaffee, setze ich in Gedanken hinzu.
„Nein, das Büro könnte verwanzt sein.“
Fast hätte ich gelacht über die Ironie. Doch ich sage: „Mir können Sie trauen.“
Er sieht mich an, abschätzig. Und schweigt. Er geht einen Schritt, ich bleibe beim Baum stehen. „Wem können Sie denn nicht trauen?“
Trollbach kommt zurück, schüttelt den Kopf. „Ich habe keine Zeit für solche Spielchen.“
„Mir recht. Was wissen Sie über die Männer in den schwarzen Anzügen, die in Defihausen ihr Unwesen treiben?“
„Die Pharmamafia.“
„Was wollen die?“
„Sind Sie denn gar nicht überrascht?“
„Pharmafirmen traut man doch alles zu, oder? Auch mafiamäßige Machenschaften.“ Ich muss mich vorsehen. Er weiß nicht, dass ich mit Heimlich spreche. „Also – was wollen die?“
“Unsere Forschungsergebnisse.“ Trollbach sieht mich abschätzig an. „Sie wissen Bescheid, oder? Hubertus Heimlich hat Ihnen doch alles verraten. Dass er die Ergebnisse versteckt hat?“
Ich nicke. “Haben Sie schon Geld bekommen von einer Pharmafirma?“
“Nein.“
“Warum sind die dann so sauer?“
Trollbach blinzelt. Für einen Augenblick sieht er verunsichert aus. Doch er fängt sich sofort wieder. „Die wollen die Ergebnisse unter Verschluss halten, damit sie nicht veröffentlicht werden. Deswegen sind sie jetzt hinter mir und Hubertus her.“
Diesen Quatsch kann er Heimlich erzählen, aber nicht mir. „Heimlich ist tot.“
„Nein, ich habe ihn gerettet. Er ist nicht tot, ich habe ihn in Sicherheit gebracht.“
„Ach?“ Ich tue überrascht.
„Ja, er ist sicher versteckt. Ich bin in regelmäßigem Kontakt mit ihm, schon seit Wochen. Es geht ihm gut.“
Seit Wochen? Lügner. „Wo ist er?“ Er würde erwarten, dass ich das frage.
„Das kann ich Ihnen nicht sagen.“ Trollbach sieht mich an. „Aber sie sollten mit ihm sprechen.“
„Wie? Und wieso?“
„Ich dachte, sie wollen eine Story.“
Ja, ich will die Story. Aber was willst du, Trollbach? Du lügst doch, wenn du nur den Mund aufmachst. Ich lächle. „Was soll ich tun?“
„Er soll Ihnen sagen, wo die Platte ist. Dann kann ich sie benutzen, uns beiden die Mafia vom Hals zu halten.“
“Warum fragen sie ihn das nicht selbst?“
“Glauben Sie, das hätte ich nicht versucht? Der will unbedingt noch Geld rausschlagen. Ich hätte denen längst das Zeug gegeben, damit sie uns in Ruhe lassen.“
Heimlich und Geld? Den Eindruck hatte ich bisher nicht. „Wie kann ich Heimlich erreichen?“
“Ich habe ihm über einen Mittelsmann ein Handy zugesteckt.“ Trollbach gibt mir einen Zettel mit einer Nummer. „Aber rufen Sie nur abends an, nach 21 Uhr. Sonst ist es nicht sicher.“
„Gut. Und jetzt will ich wissen …“
„Ich muss gehen. Auf Wiedersehen.“
Trollbach dreht sich um und geht davon. Mist, war das lang genug? Doch ich kann ihm schlecht nachrennen. „Hast du das alles?“, murmele ich nach oben.
Ein entrüstetes Miauen antwortet mir aus dem Baum. Natürlich hat er alles. Dehkah springt aus dem Baum und ich hocke mich neben ihn. Ich stoppe die Aufnahme und mache schnell das Halsband ab. Aber hat Fluffy die Zeit gereicht? Ist sie vorsichtig genug? Nach der Aktion am Sonntag mit der GAGG kam sie mir doch sehr übermütig vor. Ich schlucke. Wenn ihr was passiert … doch da hoppelt sie durch die Büsche auf mich zu und springt in meine Arme. „Alles erledigt?“
Sie keckert leise.
„Wunderbar.“ Ich wuschele über ihren Kopf, stehe auf und gehe langsam heim, meine beiden Helfer im Schlepptau.
Seltsames Interview.
Trollbach tischt mir eine Lüge nach der anderen auf. Verlangt von mir, Heimlich zu überreden. Rauscht dann ohne ein weiteres Wort ab.
Trollbach will die Platte. Die Mafia will die Platte. Trollbach sagt, die Mafia jagt ihn. Und doch läuft er hier rum, arbeitet und ist präsent, während Heimlich weggeschlossen ist.
Ein Schauer läuft mir über den Rücken.
Trollbach wird nicht von der Mafia gejagt. Er steckt mit ihnen unter einer Decke!
Haben sie ihn genötigt, ihnen zu helfen? Nein, Trollbach braucht Geld. Also will er die Ergebnisse verkaufen …
Er will die Platte und findet sie nicht. Heimlich schweigt.
Und ich soll jetzt die Drecksarbeit für Trollbach machen, und die Platte für ihn besorgen. Noch eine Marionette in seiner Sammlung abgeben.
Ich umfasse das kleine Buch und lächele.
Nicht mit mir, Bürschchen.

Vorher lesen bei Chefarzt, weiter lesen bei Tina Fisch. Zentrale hier.

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8 Antworten zu Der Puppenspieler von Defihausen – Blogsoap

  1. Pingback: Monsterdoc – Arzt Blog, Medizin Satire » Für eine Handvoll Pillen – Die Blogsoap

  2. chefarzt schreibt:

    Das war klar, dass Trollbach ein Lügner ist. Den sollte man dingfest machen. Die Platte, wo ist nur die Platte? Heimlich muss reden …

  3. Federkiel schreibt:

    Ich bin zum Gegenangriff übergegangen. Ich bin ziemlich sicher, dass die nächsten Tage den Durchbruch bringen werden.

  4. annajohannson schreibt:

    Wo Du immer Deine Augen hast. 😉

  5. Federkiel schreibt:

    @Anna: Überall!

  6. Anna schreibt:

    Ich auch 😉

  7. Blua schreibt:

    Puh, ist das spannend! Auf den Schreck brauche ich erstmal ein Stück Schokolade 🙂
    Der Trollbach scheint ein übler Zeitgenosse zu sein, würde mich sehr freuen, wenn er aus Defihausen endgültig verschwände! Was hast du wohl vor mit ihm?

  8. Federkiel schreibt:

    @Blua: Das hat er sich alles selbst zuzuschreiben. Aber er wird langsam nervös, sonst hätte er sich heute bei Tina nicht fast verplappert. Hervorragend!

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