Woche 07/2011: Durchbeißen

Worum es geht, ist hier zu finden. Eine Übersicht über die vergangenen Wochen gibt diese Seite.

Ziel? Johannas Sonntag fertig kriegen, was ehrgeizig ist, denn es sind noch eineinhalb (lange) Szenen.

Erreicht? Ja.
Aber schreiberisch eine anstrengende Woche. Die Hoffnung der letzten Woche, dass es mit Johanna leichter werden würde, hat sich nicht erfüllt. Ihre Szenen bleiben schwierig, da sie von viel Grübelei und seelischem Schmerz geprägt sind. Es war ein zähes Ringen mit mir selbst und ihr. Noch habe ich als Autorin die Oberhand, musste aber radikal die Ablenkungen ausschalten, um voran zu kommen. Und am Ende der morgendlichen Schreibsession war ich manchmal froh, dass es vorbei war für den Tag. Kein gutes Gefühl, aber ich habe mich da durchgebissen.

Was geschrieben? 57k Frakturen (Johannas nachmittägliche Szene zu Ende und der Abend), vier Artikel für diesen Blog (Defihausen lässt grüßen) und einen für den anderen.

Fazit? Twittern am Morgen ist super zur Prokrastination geeignet 😉

Textausschnitt: Woche 5, Sonntag, 24. Mai 2009, Nachmittag (Johannas Wohnung)

Endlich hatte ich den Schlüssel drin, ging schnell in die Wohnung und schloss hinter mir zu. Ich zitterte wieder, kalt wie vorher, und irgendwie ausgedörrt. Ich zog die Jacke aus und schmiss sie unter die Garderobe. Es polterte, als sie aufschlug. Mein Handy. Egal, dann klingelte es wenigstens nicht.
Ich stapfte in die Küche, sah schon im Vorbeigehen, dass das Telefon wieder blinkte. Zwei neue Nachrichten. Zwei?! War der jetzt völlig abgedreht? Ich holte ein Glas aus dem Schrank, füllte es aus dem Wasserhahn und trank es in einem Zug leer. Mein Magen protestierte von so viel Wasser, doch ich ignorierte das. Hätte vielleicht auch mal was essen sollen, ehe ich raus ging. Kein Wunder, dass ich so wackelig war. Ich steckte eine Scheibe Toast in den Schlitz, füllte das Glas noch einmal und ging wieder ins Wohnzimmer.
Ich starrte auf den Anrufbeantworter. Allein dieses Blinken machte mich schon aggressiv. Wieso konnten mich nicht einfach alle in Ruhe lassen? Entnervt nahm ich das Telefon auf und klickte durch die Anrufe. Angelika und Robert. Wer sonst. Ich biss die Zähne aufeinander und drückte auf den Knopf.
„Sonntag, 24. Mai“, sagte die blecherne Stimme, „15 Uhr 47. Hallo Liebes, hier ist Angelika. Schade, dass wir dich nicht erreichen. Bist wahrscheinlich mit Robert unterwegs.“ Sie lachte. „Ich versuch’s später noch mal! Gruß von Horst.“
Ich ballte die Hand zur Faust. Wieso meinten immer alle, ich müsste mit Robert weg sein? Robert, Robert, immer nur Robert. Ich war doch nicht sein Anhängsel!
„Sonntag, 24. Mai, 16 Uhr 4. Hi Jo, hier ist wieder Robert. Ich bin wieder raus aus dem OP. Schade, dass du nicht da bist oder nicht dran gehst. Ich habe dir auch gemailt. Ah“, er machte eine Pause. Ich stellte abrupt das Glas ab. Ja, ja. Und SMS. Ich war doch nicht blöd.
„Wäre doch schön, wenn wir noch in den Park gehen heute, oder? Würde ich sehr gerne machen. Melde dich doch mal, bitte.“
Ich schauderte. Selbst dieser kurze Satz auf dem Band … Ich wandte mich ab. Der Park hatte mir nichts gebracht. Gar nichts. Dumm angequatscht hatten mich alle, als ob ich gleich zusammenbrach. Dabei wollte ich doch nur etwas Ruhe.
Ich wischte über mein Gesicht. Im Park hatte ich sie nicht gefunden. Noch eine Hoffnung zunichte gemacht.

Ziel für die nächste Woche? Planung für den Montag in Szenen kleiden und mit Johanna weitermachen. Wäre schön, wenn die Szene in Roberts Sprechstunde fertig wird. Ob das möglich ist, hängt aber von der Planung ab.

Randbemerkung der Woche: Die Diskussion mit meiner Roman-Schreibgruppe letzten Sonntag war sehr anregend. Es denkt in mir, an welcher Stelle ich dieses Projekt aufhören könnte, ohne dass es sich für mich schlecht anfühlt. Und was ich ändern müsste, um eine „Publikumsversion“ schreiben zu können.
Aufhören und was anderes schreiben? Das erschreckt mich. Das reizt mich.

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