Zu viele Köche – Blogsoap

„Umrühren!“
Ich zuckte zusammen. „Ja, ja“, murmelte ich und rührte weiter im Topf. Ich schoss einen strafenden Blick auf Tina ab, doch sie hatte sich schon abgewandt und diskutierte mit Anna über den Nachtisch. Schön und gut, sich zum Kochen zu treffen, aber irgendwie artete das richtig in Arbeit aus. Allein das Gemüse zu schnippeln … nein, das war nichts für mich. Vielleicht musste ich mir doch was anderes ausdenken, um Hendrik zu überraschen, wenn er wieder kam.
Wenn er denn wiederkam …

Diese blöde Melina … hatte sich einfach von einer Schlange beißen lassen und damit den ganzen Drehplan durcheinander gebracht. Und Hendrik fiel nichts Besseres ein, als an ihrem Bett zu sitzen und den Schweiß aus ihrem hübschen Gesicht zu tupfen. Alles Absicht von der Tucke! Als seine Filmpartnerin kannte sie natürlich seine soziale Ader und nutzte das jetzt schamlos aus. Und wenn dann …
„Federkiel!“
„Schon gut!“, knurrte ich und rührte weiter.
„Oder willst du das angebrannte Zeugs essen nachher?“
Ich hatte irgendwie gar keinen Hunger mehr. Warum musste Hendrik auch ausgerechnet in Australien arbeiten?
„Tschulligung!“, rief Blua, als sie in Tinas Küche gestürmt kam. „Da kam noch ein Bücherpaket, das musste ich erst auspacken.“ Sie rieb ihre Hände. „Was kann ich machen?“
„Umrühren.“ Ich ließ den Kochlöffel los.
Blua machte sich sofort dran, schnupperte an der Suppe. „Schon ein bisschen angesetzt, oder?“
„Die will Federkiel alleine essen“, sagte Tina über ihre Schulter.
„Macht euch nur lustig“, brummte ich.
„Lustig ist gerade nicht so dein Fall, oder?“ Anna lächelte. „Bei dem Artikel.“
„Ehrlich“, maulte ich, „die Karnevalswagen waren doch auch irgendwie bescheuert dieses Jahr.“
„Ich fand’s nett“, sagte Tina, „wie das BSEK eine Pyramide gemacht hat und Flauschi die Bananen von oben in die Menge geworfen hat.“
Ja, ich konnte gerade noch ausweichen. Ich schnaufte.
„Oder das Feuerwerk von Timo“, schwärmte Anna.
Nicht schlecht, ‚Defihausen über alles’ in kleinen Sternschnuppen in den Himmel gemalt. „Schade nur, dass dann der Wagen explodiert ist.“
„Ach, ihm ist nicht viel passiert.“ Anna lachte. „Nur ein paar Brandwunden.“
„Oder die Live-Defibrillation von Chefarzt.“ Blua schaute beeindruckt. „Alle paar Meter wieder.“
„Drive-by-Defibrillation mal anders.“ Ich zuckte die Achseln. “Ich geb’s ja zu, wenn ich besser drauf gewesen wäre, hätte ich’s vermutlich enthusiastischer beschrieben.” Ich begann, den Tisch zu decken. „Wer kommt denn noch heute?“
Tina stupste Blua an. „Umrühren!“ Dann zählte sie an den Fingern ab. „Abgesehen von uns vieren wollte Ämpee kommen, Hermione wusste es noch nicht so genau. Chefarzt hat Dienst, wollte aber trotzdem mitessen. N8engel hat ausgeschlagen mit dem Argument, Bones würde eh so wenig essen, das lohnt sich nicht.“
Ich nickte und deckte den Tisch. Ja, so toll war meine Laune nicht gewesen. Hätte ich gestern nur nicht nach dieser Melina gegoogelt. Hätte Hendrik mir bloß nicht erzählt, dass sie krank ist. Würde er nur nicht in Australien arbeiten. Dann hätte ich auch mehr Lust zu dem Umzug gehabt. Als ich fertig war mit decken, blieb ich im Türrahmen zur Küche stehen. „Hat eine von euch den neuen Psychiater schon getroffen?“
Anna drehte sich um und nickte. „Freudi? Der neben dem Pizzaladen eingezogen ist?“
„Ja, der.“ Ich lachte. „Freudi? Kennst du ihn?“
„Siegfreud Mund ist ein Studienkollege von Sek Retion, unserem Chefarzt im Klinikum. Der hat ihn nach Defihausen geholt.“
„Dann wundert mich nichts mehr.“ Wahrscheinlich behandelt der sich die meiste Zeit selbst, bei dem Namen.
„Was brauchen wir denn einen Psychiater?“, fragte Tina. „Hier sind doch alle ganz normal.“
„Dafür ist der aber ziemlich ausgebucht“, versetzte ich.
Alle drei hielten inne und sahen mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.
Ich zuckte die Achseln. „Was denn? Ich wollte nur ein Interview für den Kittelkurier.“ Wenn sie so komisch guckten, sagte ich lieber nichts davon, dass Chefarzt schon da gewesen war. Er träumte in der letzten Zeit so seltsame Dinge von unerklärlichem Reichtum, den er gar nicht haben wollte. Das beunruhigte ihn doch ziemlich.
Tina zwinkerte. „Nicht etwa wegen einer Behandlung gegen krankhafte Eifersucht?“
Warum war das auf einmal so warm hier? Ich schüttelte schnell den Kopf. „Ich bin nicht eifersüchtig.“
Die drei sahen mich weiter an. Tina kicherte, Blua grinste, Anna zwinkerte mir zu.
Wussten die was, das ich nicht wusste? Ich zog die Augenbrauen zusammen. „Umrühren!“

Hier vorher bei Chefarzt, Zentrale hier.

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7 Antworten zu Zu viele Köche – Blogsoap

  1. Pingback: Monsterdoc – Arzt Blog, Medizin Satire » Für eine Handvoll Pillen – Die Blogsoap

  2. chefarzt schreibt:

    Ein schöner Tag und ein toller Abschluss mit Festessen … Dr.Mund, der hat echt was drauf. Jeder sollte sich mal in seine Behandlung begeben. Ich fühle mich schon etwas besser … Bist du möglicherweise etwas eifersüchtig?

  3. Federkiel schreibt:

    Nein, nein, ich bin überhaupt nicht eifersüchtig auf diese junge, blonde und äußerst attraktive … naja, lassen wir das. Ich werde den Freudi dann auch mal aufsuchen, seine Sprechstundenhilfe, äh, medizische Fachangestellte soll ja ebenfalls so ein Unikum sein. Aber nur für ein Interview, ganz klar.

  4. chefarzt schreibt:

    Ach, heutzutage ist ein Psychiater genauso wichtig wie ein Hausarzt. Ist keine Schande.

  5. Federkiel schreibt:

    Vielleicht wichtiger … Aber erstmal das Interview, dann sehen wir weiter.

  6. Blua schreibt:

    Ganz ehrlich: An deiner Stelle wäre ich auch etwas eifersüchtig. Böde Melina!
    Das Kochen hat richtig Spaß gemacht, wie wäre es, wenn wir reihum solche Kochabende veranstalten würden? Oder Gibt es sowas schon?
    Ein Psychiater, ui … Vielleicht kann der mich von meiner Büchersucht kurieren 🙂
    Haben wir eigentlich auch einen Tierarzt? Shakespeare scheint krank geworden zu sein, er hustet die ganze Zeit 😦 Habe schon im Telefonbuch geschaut, aber nichts gefunden. Sonst muss ich mit ihm wohl zum Hausarzt gehen … Ein genauerer Bereicht und ein Bild folgen bald.

  7. Federkiel schreibt:

    @Blua: Anna hatte das angeregt, das war jetzt aber erst das dritte Treffen. War aber klasse, ich hoffe, wir machen das weiter, auch wenn ich es nie über den Status „Hilfskoch“ hinaus kommen werde.
    Und ich wäre dafür, wenn Dr Mund Dich lieber nicht von der Büchersucht heilt, nicht dass da was von Deinem Feuereifer verloren geht. Das wäre zu schade. Ich habe jetzt kommende Woche meinen Termin, äh, das Interview.
    Ich hoffe, Shakespeare geht es wieder besser. Wo warst Du jetzt hin? Nach dieser Mega-Explosion in den Katakomben haben sie die Ärzte im Klinikum auch toll um das BSEK gekümmert.

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