Woche 21/2011: Fleisch an die blanken Knochen

Worum es geht, ist hier zu finden. Eine Übersicht über die vergangenen Wochen gibt diese Seite.

Was lag an? Weiter bei Johanna, den Mittwoch abschließen. Donnerstag anfangen?

Was geschafft? 43k Frakturen (Johannas Mittwoch Abend).
Auch wenn ich Johannas Absturz minutiös geplant hatte, die Szenen wurden dann doch anders. Manche gute Idee kommt eben erst beim Schreiben, wenn man sich so richtig hinfallen lassen kann. Man muss dann nur gucken, ob es zum geplanten Rest passt. Es passte 🙂
Das Ende der Isolation naht, doch noch ist Johanna durch die Talsohle nicht durch. Nachdem sie erkannt hat, dass sie nicht von der Brücke springen kann, geht es ihr nur noch schlechter …
Und ich bin stolz – nur eine klitzekleine Szene von Robert geschrieben 😉

Fazit? Planung ist das Skelett, das Schreiben erst bringt das Fleisch.

Textausschnitt: Woche 6, Mittwoch, 27. Mai 2009, Nacht (Johannas Wohnung)

Warum noch kämpfen? Und wofür? Nur damit es in einer Sekunde wieder alles zerschmettert wurde? Ich zitterte, starrte hinaus auf die Straße, umklammerte die Brüstung meines Balkons. Ich wusste nicht mehr, wie ich hier hin gekommen war oder wie lange ich hier schon stand. Ich hatte nur Socken an, und meine Füße waren eiskalt. Meine Knie bebten, doch ich hielt mich auf den Beinen. Warum eigentlich? Stehen war nur etwas jemanden, der ein Ziel hatte, was erreichen wollte.
Ohne Hoffnung gab es keine Ziele.
Und ich hatte keine Hoffnung mehr. Ich wurde nicht damit fertig, was der Arsch mir angetan hatte. Was ich mir angetan hatte. Warum ich mich so erniedrigt hatte, nur um mein Leben zu behalten. Dieses Leben? Es war nichts wert. Johanna war gestorben in dem Keller, das hier war nur noch ihre Hülle.
Mein Körper driftete davon, nahm die Kälte mich sich. Doch die lachende Fratze blieb, der Stuhl blieb, auch wenn ich jetzt den Bürgersteig unter mir sah. Ich wollte das nicht mehr sehen. Ich lehnte mich vor, sehnte mich auf einmal nach der Treppe, die ich am Fuß meines Fenster im Elisabeth gehabt hatte. Sie hätte mir geholfen. Aber selbst das war mir jetzt genommen. Wenn ich hier über die Brüstung kletterte, brach ich mir allenfalls ein Bein.
Ein Transporter fuhr vorbei, viel zu schnell. Noch eine verlorene Chance. Bis zur Straße, direkt vor ein Auto, schaffte ich es nicht zu springen.
Abrupt ließ ich das Geländer los, schwankte und taumelte in meine Wohnung zurück, durch das Wohnzimmer, zur Tür hinaus und die Treppe hinab. Die Haustür fiel hinter mir ins Schloss. Ich wandte mich um, ging gerade aus, die Straße entlang. Weiter, immer weiter. Mein Körper tat, was ich ihm befahl, auch wenn ich ihn nicht mehr spürte.
„Komm, Dummerchen, hier entlang“, sagte der Arsch in meinem Kopf.
Ich tat, was er sagte. Wie ich immer alles getan hatte, was er von mir verlangt hatte. Er schickte mir Bilder in meinen Kopf, jeden einzelnen Schlag gegen meine Hand. Sie baumelte gefühllos an meinem Arm. Ich ging weiter, den Blick starr geradeaus. Immer weiter. Weiter. Ich schwankte und ärgerte mich darüber. Nicht schlapp machen, verdammt! Ich musste es schaffen.
Die Straße stieg jetzt an, führte langsam hinauf.
Hoch zur Brücke.

 Was geht es weiter? Weiter bei Johanna, die lange Nacht des Mittwochs abschließen. Weiter mit Donnerstag.

Dieser Beitrag wurde unter Schreibfortschritt abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s