Kangaroo productions – Blogsoap

Ich zog die Haustür hinter mir zu. Scheißtag.
Ich pfefferte die Tasche unter die Garderobe. Eine Scheißwoche. Eigentlich sogar Monate. Ich zog die Jacke aus, hängte sie auf und erstarrte dann, glotzte mich im Spiegel an. Monate. Ätzende Monate.
Es hatte keinen Zweck, das länger zu leugnen. Seit Hendrik und ich uns … ja was eigentlich? Seit wir nicht mehr sprachen, ging es mir schlicht Scheiße. Ich starrte in meine müden Augen. „Wie hat er das geschafft, hmm?“, fragte ich mich selbst. Federkiel, die immer so viel auf ihre Selbständigkeit gegeben hatte, jammerte einem Schönling hinterher, mit dem sie nicht mal sechs Wochen zusammen gelebt hatte.
Ich seufzte, wandte mich ab. Aber was waren das für Wochen gewesen!

Ich schlurfte ins Wohnzimmer, wo Fluffy (schon wieder) am Laptop saß. „Hey, Fluff“, sagte ich lustlos und warf mich so doll aufs Sofa, dass Dehkah pikiert zu mir her sah. Dann stand er auf und ging. Fluffy drehte sich nur kurz um und tippte dann weiter.
„Schon gut“, murmelte ich. Ich war einfach eine Spaßbremse im Augenblick. Anna versuchte ihr Bestes, mich abzulenken, doch sie hatte selbst genug Probleme, weil die im Krankenhaus jetzt Gedankenübertragungsexperimente machten. Manchmal hatte ich den Eindruck, sie war gar nicht mehr sie selbst. Ich schüttelte den Kopf. Das war mir alles irgendwie zu hoch.
Und seit die Gerüchte über die GAHL wieder kursierten in Defihausen, war Basadai nur noch damit beschäftigt, den Kindergarten angriffssicher zu machen. Und was Tina und Henriette bei ihr zu Hause bastelten, wollte ich lieber gar nicht erst wissen.
Fluffy klappte auf einmal den Laptop zu und sprang vom Hocker. Sie sah mich einen Augenblick streng an, dann hopste sie zum Fernseher und stellte die ganze Anlage an. Dehkah strich um ihre Beine. Als er sah, welche DVD sie einlegte, begann er laut zu Schnurren und sprang auf meinen Schoß. Sofort begann ich, ihn zu kraulen. „Was hat sie ausgesucht, dass du dich so freust?“
Fluffy hopste ebenfalls aufs Sofa, die Fernsteuerung in ihrem Beutel. Ich nahm sie heraus und drückte auf Start. „Jetzt bin ich aber gespannt.“
Ein unbekanntes Filmlogo erschien, dann der Schriftzug Kangaroo productions in einer Silhouette, die eindeutig Australien war. Ich stöhnte auf und ließ meinen Kopf nach hinten gegen die Lehne fallen. „Nicht was Australisches.“
Fluffy stupste mich an und zeigte mit der anderen Pfote in Richtung Fernseher.
„Ich will aber nicht“, maulte ich.
Sie funkelte mich an und zeigte noch einmal auf den Bildschirm.
Ich hievte meinen Kopf hoch und starrte lustlos auf die endlose Weite des australischen Busches. Der Filmtitel erschien: Live is like a kangaroo
„Wie bescheuert“, murmelte ich. Was sollte an dem Leben wie ein Känguru sein?
Melinda Best
Ein komisches Geräusch schlüpfte aus meiner Kehle. Melinda?! Ob er auch …
Hendrik Svensson
Ich seufzte auf. Also war der verfluchte Film fertig. Aber ich dachte der hieß Australien Cowboy? Wie kamen sie dann auf diesen bekloppten Känguru-Titel?
Mein Herz hämmerte auf einmal. Hendrik spielte da mit. Ich würde ihn endlich mal wieder sehen. Wenn auch nur auf dem Schirm. Ich konnte es kaum erwarten, aber hinter den anderen Namen war nichts als öde Landschaft zu sehen. Dann kam eine Frau ins Bild, schlank, hübsch, lange dunkle Haare. Sie trug knappe Shorts und eine enge weiße Bluse.
Melinda, wer sonst. Ich stöhnte wieder auf. Wie konnte man nur so lange Beine haben? Und wenn sie jetzt eine Kussszene mit ihm hatte, dann …
directed by Hendrik Svensson
Mein Atem stockte. Hendrik hatte Regie geführt? Dann war das gar nicht der Cowboy-Film … war das der danach? Der Film, für den er in Australien geblieben war. Japsend holte ich Luft. Der Film, bei dem Melinda ihm geholfen hatte. Bei seiner ersten Regie.
sponsored by Deutsche Filmakademie
Ich schloss die Augen und ließ den Kopf wieder gegen die Lehne fallen. Deswegen hatte er Anna etwas Korrektur lesen lassen. Für eine Förderung. Und es sollte eine Überraschung für mich sein, also hatte er nichts gesagt. Ich kniff die Lider zusammen. Hendrik schaffte es irgendwie, ein Team zusammenzubringen, um seinen ersten Film zu drehen, und ich unterstellte ihm quasi eine Affäre mit Melinda. „Ich Idiot.“
Fluffy keckerte leise, Dehkah schnurrte.
Ich seufzte auf, kraulte Dehkah hinter den Ohren und zog Fluffy in meine Arme. Sie kuschelte sich an mich.
Ich riss die Augen auf.
Sie roch nach Hendriks Rasierwasser!

Hier vorher lesen bei Anna Johannson, und hier ist die neue Zentrale.

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5 Antworten zu Kangaroo productions – Blogsoap

  1. Pingback: Was gibt es Neues in Defihausen? | Die Blogsoap – Neues aus Defihausen

  2. Pingback: Monsterdoc – Arzt Blog, Medizin Satire » Für eine Handvoll Pillen – Die Blogsoap

  3. Der Hendrik ist möglicherweise doch anders als erwartet. Sag mal, wie lange bleibt der denn eigentlich in Australien? Ich meine, wegen der Tiefseeexpedition?

  4. Federkiel schreibt:

    @Cheffe: Das waren wieder so turbulente Wochen, dass ich gar nicht dazu gekommen bin, alles zu berichten. Hendrik ist nicht mehr in Australien … *jemanden neben mir in die Seite knuff* Aber derzeit bin ich in geheimer Recherche unterwegs. Ich werde hinterher berichten.

  5. Pingback: Gezwitscher – Blogsoap | Blog von Petra Vennekohl (Federkiel)

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