Wochen 35 und 36/2011: Sprünge

Worum es geht, ist hier zu finden. Eine Übersicht über die vergangenen Wochen gibt diese Seite.

Was lag an? Der Freitag.

Was geschafft? 101k Frakturen (Freitag Vormittag, viel spätere Szenen).
Es läuft ganz gut, es geht wieder voran. Es gab (endlich) mal wieder einen neuen Ideenschub, die neuen Szenen (die zum Teil viel später spielen) gingen sehr gut von der Hand. Ein bisschen gibt mir das zu denken, weil das so viel leichter war als die geplanten Szenen. Aber so eine längere Geschichte besteht nun mal nicht nur aus spontan geschriebenen Szenen 😉 Und doch habe ich mir vorgenommen, wieder etwas „unlinearer“ zu schreiben, wenn mir was einfällt.

Fazit? In den Szenen zu springen erfrischt 🙂

Textausschnitt: Sehr viel später, Herbst (St. Peter-Ording, Café Ciao)

Ich blickte mich um. Es war noch das gleiche Lokal und doch auch nicht. Die Wände waren gestrichen und Theke neu verputzt. Eine Frau stand hinter dem Tresen, eine hübsche Blonde, die irgendwie nicht wirklich in das italienische Flair passte. Doch ihr Lächeln war mir gleich sympathisch. „Hallo“, sagte ich und trat vor den Tresen. Ich wusste nicht weiter.
„Hi.“ Sie lächelte. „Möchten Sie etwas trinken?“
„Ja“, sagte ich gedehnt. Warum war das so schwierig? Hatte ich Angst, dass er nicht mehr da war? Wie er reagieren würde, wenn er Katharina sah? Könnte er sich mit uns freuen? Oder würde es ihn in Verzweiflung stürzen?
Robert hielt sich im Hintergrund, und ich hörte ihn leise mit Katharina sprechen. Doch ich wollte, das Gino sie sah, wenn er noch hier war. „Ich … ich war vor ein paar Jahren öfter hier“, sagte ich. „Da war hier ein Kellner, Gino.“
Sie lächelte breiter. „Ja, er ist hier jetzt Chef.“
Das freute mich ungemein. Ich lächelte auch. „Ist er da?“
„Das Tiramisu vorbereiten.“ Sie wies zur Küche. „Ich hole ihn.“
„Danke, wir … setzen uns schon mal“, sagte ich hastig.
Sie nickte und lächelte, dann verschwand sie in die Küche.
Mein Herz schlug viel zu schnell. Roberts Hand fand meine, und er zog mich mit nach draußen. Gino hatte die Bretter auf der Außenterrasse erneuert, auch der Windschutz war neu. Doch noch die gleichen Tische und Stühle. Ich ließ Robert den Vortritt, damit er mit Katharina im Windschatten sitzen konnte, und setzte mich dann auf den anderen Stuhl. Warum war ich so nervös?
Dann stand er da plötzlich, groß, schlank und in schwarz gekleidet, wie immer. Gino sah uns an, doch er erkannte Robert nicht. Erst als ich ihn ansah, trat ein Lächeln in sein Gesicht. Sofort kam er näher. „Bella Gianna!“
Ich stand auf, breitete die Arme aus, und Gino nahm mich in die Arme. Er drückte mich fest, und ich hielt ihn ebenso. „Gino“, murmelte ich gegen seine Schulter. Wie oft hatte ich daran gedacht, ihm zu schreiben, herzukommen.
Er ließ mich los, küsste mich auf beide Wangen. „Du siehst toll aus!“
Ich lachte. So ein Schmeichler, sah einfach über die Kilos hinweg, die ich immer noch drauf hatte nach der Schwangerschaft. Er ließ seine Hände sinken, doch ich griff an seinen Arm und wandte mich zu meiner Familie um. „Ich möchte dir jemanden vorstellen.“ Ich lächelte. „Robert kennst du ja noch.“
Ginos Blick wanderte von Roberts lächelndem Gesicht zu dem Gurt, der vor seine Brust gespannt war. Zu den dicken, kleinen Beinen, die unten heraus schauten. Gino blinzelte, sah dann wieder zu mir, dann zu Robert zurück. „Dio“, murmelte er, machte sich von mir los und fiel auf den Stuhl, den ich gerade frei gemacht hatte. Ohne Robert zu beachten, lehnte er sich vor und schaute auf unser schlafendes Baby. Er legte den Kopf schräg, betrachtete Katharina. Er hob eine Hand, doch er berührte sie nicht, ließ sie wieder sinken. „Dio mio“, flüsterte er.
Ich stellte mich hinter ihn, legte eine Hand auf seine Schulter. Doch ich sagte nichts, mein Hals war zu eng, um zu sprechen. Gino lehnte sich schließlich zurück, doch er schaute weiter auf Katharina, lächelte jetzt. Er streckte seine Hand aus, berührte ihre kleinen Finger. „Wie heißt sie?“
„Katharina.“
„Catarina“, sagte Gino leise und mit italienischem Tonfall. „Benvenuta, cara.“ Er strich sehr vorsichtig über ihre Finger. Er sah wieder zu mir auf, und ich war so froh, nichts als Freude in seinem Gesicht zu sehen, keine Wehmut, keine Trauer.
Ich lächelte.

 Was geht es weiter? Weiter in der aktuellen Zeitschiene mit Freitag.

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