Woche 37/2011: Außenperspektive

Worum es geht, ist hier zu finden. Eine Übersicht über die vergangenen Wochen gibt diese Seite.

Was lag an? Weiter in der aktuellen Zeitschiene mit Freitag.

Was geschafft? 55k Frakturen (Freitag Nachmittag).
Diese Woche ging es linear weiter, und auch das lief gut. Ich musste mich mal wieder in die Rolle von Roberts Freund vertiefen, der Johannas Psychotherapeut ist. Ich habe mit diesen Gesprächen sonst oft Probleme, dieses Mal war’s aber einfach, weil Johanna nichts gesagt hat 😉 Ich fand es mal wieder gut, eine Außensicht auf sie zu haben, die nicht von Roberts Verliebtheit geprägt ist. Matthias Perspektive ist jetzt erstmal wieder fertig, ein gutes Gefühl.

Fazit? Springen in unterschiedliche Perspektiven kann auch erfrischend sein 🙂

Textausschnitt: Woche 6, Freitag, 28. Mai 2009, Nachmittag (Matthias Praxis)

Matthias hielt bewusst sein Gesicht neutral, als er Johanna ansah. Sie sah verdammt schlecht aus, abgemagert, beinahe eingefallen. Dabei war es erst eine Woche her, seit er sie gesehen hatte. Wie in Trance ging sie langsam an ihm vorbei in den Behandlungsraum. Ihr Schritt war unsicher. War sie zu Fuß gekommen? Hatte es sie so erschöpft? Als sie an ihm vorbei war, zog sich doch seine Stirn in Falten. „Sie war so fertig“, hörte er Robert in seinem Kopf sagen, „dass sie sich kaum noch auf den Beinen halten konnte.“
Jetzt verstand er, was sein Freund heute Morgen am Telefon gemeint hatte. Und gestern musste Johanna noch … schlimmer ausgesehen haben. Kein Wunder, dass Robert das mitgenommen hatte. Matthias wandte sich um, ging Johanna nach und schloss die Tür hinter ihnen. Den ganzen Morgen war ihm das nicht mehr aus dem Kopf gegangen, und er war fast davon überzeugt gewesen, dass sie doch nicht kommen würde. Oder dass Robert maßlos übertrieben hatte.
Doch das hatte er nicht. Aber immerhin war sie gekommen.
Er setzte sich in seinen Sessel, Johanna schräg gegenüber. Sie hockte auf dem Sofa, zusammengesunken. Körperlich war sie da, aber nicht mit dem Kopf. Sie starrte mit halb geöffneten Augen auf ihre Knie. Sie zitterte, selbst aus dieser Entfernung konnte Matthias es sehen, dabei hatte sie eine so dicke Strickjacke an, dass ihm vom Anblick schon warm wurde. Sie hatte dunkle Ringe unter den Augen. Doch noch mehr beunruhigten ihn die Striemen auf ihrer Stirn, als ob sie sich gekratzt hatte. Und ihre Unterlippe war eindeutig geschwollen an der einen Seite, weil sie sich gebissen hatte. Ihre Fingernägel waren zerbissen, das Nagelbett blutig.
Scheiße, sie war wirklich fertig. Was hatte Robert gesagt? Zu wenig getrunken, kaum gegessen. Konnte nicht mehr schlafen. Doch erst jetzt, als Matthias es vor sich sah, realisierte er, was das für Folgen gehabt hatte. So wie Johanna aussah, bekam der Satz „ich will leben, ich weiß nur nicht wie“ eine ganz andere Dimension. Er verstand jetzt, warum Robert das sehr ernst genommen hatte. Weil sie nicht so aussah, als hinge sie am Leben.

 Was geht es weiter? Weiter mit Freitag.

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