Tauchen auf Malle – MG11

„Ich werde das nie lernen.“ Hendrik ließ den Taucheranzug in die Kiste fallen.
Ich lege meinen dazu. „Ach was, das war heute schon viel besser als die letzten Tage.“ Ich sah mich um. „Oder Juan?“
Unser Tauchlehrer lächelte strahlend. „Si, señora!“
Ich lächelte auch, wandte mich an Hendrik. „Das klappt schon noch.“
Er schüttelte nur den Kopf, sprang vom Boot und hielt mir seine Hand hin, um mir hinaus zu helfen. Am Pier rief ich: „¡Hasta luego, Juan!“
Juan grinste und winkte, dann wandte er sich den nächsten Tauchgästen zu, den letzten für heute.
Hendrik war schon ein paar Schritte weiter, und ich beeilte mich, ihn einzuholen. „Du wirst sehen, du kriegst den Dreh noch raus.“
„Wir sollten lieber Fluffy suchen, als hier im Wasser zu plantschen.“

„Wir brauchen das Tauchtraining für die Expedition.“
„Fluffy ist wichtiger.“ Hendrik verzog die Schultern hoch. „Wenn ich nur nicht immer das Gefühl hätte … trapped somehow.“
Ich schüttelte den Kopf. Ich empfand es genau umgekehrt. So viel Platz unter Wasser! Diese Weite! Alles hell und klar. Das war natürlich hier auf Mallorca im Wasser viel besser als im Bodensee in der Nacht. Und auch nicht so kalt.
„Dir gefällt das, oder?“
„Das Tauchen? Das ist toll. Wollte ich immer schon mal machen.“
„Du kannst das gut. Und Juan mag dich.“ Seine Hand zwischen uns tastete nach meiner, und ich ließ es zu, dass er sie umfasste.
„Quatsch. Juan mag, dass ich verstehe, was er sagt.“ Ich sah zu Hendriks hoch. „Im Gegensatz zu dir.“
„Ich bin dafür nicht gemacht.“
Doch war er. Der Taucheranzug stand ihm ausnehmend gut. „Vielleicht gewöhnst du dich noch dran?“
Hendrik schüttelte den Kopf. „Never.“
„Aber musst du ja auch nicht. In dem Uboot …“
„Ist es … worse.“
„Schlimmer? Meinst du?“
„For sure.“
„Es ist ja noch etwas Zeit, Hendrik. Wir machen regelmäßig die Übungen von Basadai, dann wird das schon.“
„Ich habe das … my whole life. So schnell geht es nicht … weg.“ Er seufzte. „Ich bin froh, dass ich nicht in diesem Fahrstuhl war.“
Das hatte ich gemerkt heute morgen, als wir uns das angesehen hatten, was die anderen gestern erlebt hatten. Ich zog die Stirn in Falten. „Lieber mit Tanja im Besenschrank, was?“
Seine Hand zuckte etwas, doch er hielt mich weiter fest. „Was hast du immer mit ihr? Wir sind nur Freunde.“
Ja, ja, das sagten sie alle. Vor allem, wo er jetzt so häufig in München war. „Was für einen Rat wolltest du von Tanja?“
„Rad?“
„Du hast ihr getwittert, du wolltest dich mit ihr treffen. Weil du einen Tipp wolltest.“
„Ah, Tipp.“ Er stutzte. „Das weißt du?“
„Ich erkläre dir mal bei Gelegenheit, wie Twitter funktioniert.“
Er lachte leise auf. Sein Daumen strich über meine Hand. „I needed advice.“
„Es nervt, wenn du das machst. Sprich deutsch mit mir.“
Er brummte. „Ich wollte eine Tipp … über Frauen.“
„Was?“
„Über dich.“ Er grinste schief. „Was sonst?“
Ich zog die Augenbrauen zusammen. „Und da fragst du ausgerechnet Tanja?“ Die verstand mich nun am allerwenigsten. „Warum nicht N8engel?“ Immerhin war Hendrik bei ihr untergekommen, als ich ihn rausgeschmissen hatte.
„Ich habe alle gefragt.“
„Alle?“ Mir schwante Böses. „Wen alle?“ Wusste jetzt ganz Defihausen von unseren … Problemen? Ich wollte ihn loslassen, doch Hendrik hielt meine Hand weiter fest.
„Hermione und Badadai“, sagte er, „Anna, Rotschopf und Sanny. Natürlich N8engel, Tina und Blua.“ Er überlegte kurz. „Nur Ämpee und Thea nicht, die waren unterwegs.“
Also alle meine Freundinnen und Bekannte, und keine hatte was gesagt! Und was hatte er alles ausgeplaudert? Na herzlichen Dank! Ich entzog Hendrik meine Hand und blieb stehen. „Wie konntest du!“
Er wandte sich zu mir um, blinzelte jetzt gegen die Sonne. „Konnte … was?“
„Ihnen alles sagen?“
Wieder zog er die Schultern hoch. „Habe ich nicht, Federchen. Ich …“
„Nenn mich nicht so!“, fauchte ich.
„Federkiel“, seufzte er. „Ich habe nicht viel gesagt. Nur gefragt, was ich machen soll.“ Er kam einen Schritt auf mich zu, blinzelte wieder. Wegen der Sonne.
„Was machen?“ Wovon sprach der Mann?
„Ich wusste nicht mehr weiter. Da habe ich gefragt, was dich freuen könnte.“ Er legte eine Hand an meinen Arm. „Wie ich dich zurück kriegen kann“, sagte er leise.
Ich trat einen Schritt zurück, und seine Hand fiel von mir ab. Also war ihm das wirklich ernst? Warum, verdammt, benahm er sich dann so ätzend, wenn er in Defihausen war? Doch dann fiel meine Wut in sich zusammen. Nicht nur er war ätzend … ich auch. Weil ich irgendwie immer noch nach einem Haken suchte?
Ich seufzte auf, dann streckte ich Hendrik meine Hand hin. „Komm“, sagte ich, „lass uns Fluffy suchen.“
Er lächelte, nahm meine Hand, und wir zogen los.

Angst-Training bei Basadai und Tauchübungen im Bodensee mit Chefarzt für die Expedition in den Marianen-Graben (MG11)

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5 Antworten zu Tauchen auf Malle – MG11

  1. chefarzt schreibt:

    ich hoffe, die Suche verläuft erfolgreich. Seid ihr Di wieder am Bodensee?

  2. Federkiel schreibt:

    @Cheffe: Ja, der Flug geht am Montag wieder zurück nach München. Wir sind am Dienstag dabei. Ich hoffe nur, wir finden sie noch …

  3. chefarzt schreibt:

    Schon unglaublich, wie selbsständig die Baumkängurus heutzutage sind. Sieh zu, wir brauchen das Tier, Carsten und Flauschi freuen sich auch schon …

  4. Federkiel schreibt:

    @Cheffe: Noch immer nichts 😦 Selbstständig oder nicht, ich fange langsam echt an, mir Sorgen zu machen.

  5. Tanja schreibt:

    ich gebe ja zu, die baumkängurus sind ganz nett, aber müssen die wirklich mit auf die expedition? was sollen die denn da? ich würde ja lieber den urlaub genießen, und dann noch mit hendrik. da verpasst du was, würde ich sagen. du weißt ja gar nicht, was du an ihm hast.

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