Tricksen auf Malle – MG11

„Ich werde das nie lernen.“ Hendrik ließ sich in den Sand fallen.
Ich stiefelte ihm nach, setzte mich dazu. Zuerst hatte ich ihm noch widersprochen, wenn er das sagte, aber jetzt tat ich das nicht mehr. Er würde es nicht lernen, weil er es nicht lernen wollte. Doch ich fand es süß, dass er weiter mitkam zu Juan, weil er wusste, dass ich das Tauchen so gerne machte. Das Wasser hier war einfach herrlich!
Ich lehnte mich an ihn. „Du sperrst dich.“
„Ich kann nicht“, versetzte er. „Ich werde bei der Expedition nicht mitmachen können. Nicht im Submarine. No way.“

„Es ist noch zu früh, das zu sagen.“
Ich spürte, wie er den Kopf schüttelte. „Ich muss Chefarzt und Hajo sagen, dass ich auf dem Boot bleibe. Wir brauchen auch oben Leute.“
„Warte doch erstmal ab, wie es sich entwickelt.“ Irgendwie mochte ich den Gedanken nicht, dass er oben zurück blieb.
„Ja, abwarten.“ Er seufzte, dann legte er von hinten seine Arme um mich und hielt mich fest. Ich rutschte etwas tiefer, lehnte meinen Kopf an und schaute hinaus aufs Meer. Zu dieser Stunde waren nicht mehr viele Leute am Strand, nur Silhouetten gegen den Himmel. Das Meer rauschte gegen den Sand, der Wind jetzt angenehmer als am Tag. Ein herrlicher Abend, warm, ruhig und entspannt.
Hendrik seufzte wieder, doch es klang anders jetzt. Nicht nach Resignation, mehr nach Sorge. Und wie könnte er sich nicht sorgen? Wir hatten die letzten Tage den Ort durchstreift, auf der Suche nach einem Baumkänguru. Einem ganz bestimmten …
„Was, wenn sie nicht hier ist?“
„Ist sie.“ Es war ein abgekartetes Spiel. Aber warum zeigte sie sich nicht? Was mussten wir denn noch machen? Wir waren hier, zusammen, wir suchten sie. Was noch? „Muss sie.“
Er brummte nur.
„Sie ist hier.“
„Woher weißt du das?“
„Sie und Dehkah. Die beiden haben diesen Ort ausgesucht.“ Ich seufzte. „Für uns beide.“
„Was?“
„Als Urlaub. Damit wir wieder …“ Ich schüttelte den Kopf.
„Wieder zusammen kommen?“ Er lächelte, während er das sagte.
Ich nickte. „Und weil es nicht klappte, ist sie zu dir abgehauen, nach München. Und dir dann ausgerissen. Damit wir beide sie suchen müssen.“
„Das ist nicht logisch.“
„Für ein Baumkänguru schon.“ Und irgendwie hatte es ja auch geklappt. Nur suchten wir vergeblich.
„Also bist du nur hier, weil Fluffy hier ist?“
Er klang enttäuscht, und ich verzog das Gesicht. Warum brauchte es ein verfluchtes Baumkänguru, dass ich mir das endlich eingestehen konnte? Dass ich immer noch mit ihm zusammen sein wollte? Auch wenn wir uns zofften und eigentlich nicht zusammen passten. Ich seufzte, holte tief Luft und sagte: „Nein, Hendrik, bin ich nicht.“
Er drückte mich fester an sich. „Ich bin froh, Federchen.“
„Hör auf, mich so zu nennen“, maulte ich.
Doch mein Prostest war nur halbherzig, und er ignorierte ihn. „Was sollen wir machen? Weitersuchen? Wir haben nur noch morgen.“
Dienstag ging das Flugzeug zurück nach München, nur noch ein Tag. Worauf wartete Fluffy? Hatte sie sich irgendwo verschanzt und beobachtete uns? Möglich … es war einen Versuch wert. Ich richtete mich auf, und Hendrik ließ mich nur widerwillig los. Ich wandte mich zu ihm um. „Ich habe einen Plan“, flüsterte ich.
„Sie zu finden?“
Ich lächelte. „Sie anzulocken.“ Ich drückte gegen sein Schulter, und Hendrik ließ sich in den Sand fallen. Ich legte mich neben ihn, aufstützt, damit ich ihn ansehen konnte, eine Hand auf seiner Brust. Es war noch immer hell genug, dass ich sein Gesicht erkennen konnte. Er sah mich an, lächelte jetzt breiter. An Fluffy dachte er jedenfalls nicht mehr.
Jetzt oder nie.
Ich beugte mich vor, küsste ihn, ganz leicht nur, und doch kribbelte es durch meinen ganzen Körper. Seine Hand fuhr an meinen Rücken, hielt mich fest, und meine Finger krallten sich in sein Hemd.
Eigentlich wollte ich nur ganz kurz, aber …
Hinter uns am Strand keckerte es.

Lies hier mehr über die Expedition in den Marianengraben (MG11)

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2 Antworten zu Tricksen auf Malle – MG11

  1. chefarzt schreibt:

    Diese intelligenten Baumviecher. Die tricksen uns doch ständig aus. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sie uns überlegen sind …

    @Hendrik: Was ist mit deinem Ehrgeiz? Die 8 Summits !!!! Nur Smutjes bleiben an Bord des Mutterschiffes.

  2. Hendrik Svensson schreibt:

    @Chefarzt: Es ist wichtig, dass jemand an Bord bleibt. Ich glaube nicht, dass ich das noch schaffen kann.

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