Verrückte in Guam – MG 11

„Hätten wir nicht wenigstens einen Tag Pause machen können?“ Ich warf mich in den Sessel.
„Ich brauche jeden Tag!“, konstatierte Hendrik und setzte sich an den Schreibtisch, blätterte im Drehbuch.
„Aber erst der lange Flug“, maulte ich, „und dann nur Regen, zur Abwechslung mal Gewitter, dann wieder Regen. Zwei ganze Tage lang! Und das Filmen ist anstrengend.“
Fluffy keckerte zustimmend, hüpfte auf den zweiten Sessel und rollte sich zusammen. Dehkah sprang dazu und legte seinen Kopf auf Fluffys Pfoten.
„So schwierig war deine Rolle nun auch nicht“, sagte Hendrik ohne aufzusehen.
„Aber ich wollte gar keine.“ Ich seufzte. „Ich bin Script Supervisor, nicht Schauspielerin! Und dann drückst du mir die verrückte Touristin auf. Super.“ Ich rutschte auf dem Polster nach unten, bis ich den Kopf anlehnen konnte. „Hätte ich nicht“, ich warf die Hände hoch, „die Poolprinzessin sein können?“
Hendrik wandte sich um und lächelte süß. Er schwieg.
„Vielen Dank.“ Ich stand auf, ging an ihm vorbei und schlug spielerisch gegen seine Schulter. „Sieh zu, dass du fertig wirst. Der Regen hat gerade aufgehört. Ich will wenigstens noch einmal an den Strand.“
„Ich muss noch die Szenen vorbereiten für morgen.“
Ich brummte unwillig und ging hinaus auf den Balkon. Toll, dass uns jemand den Flug bezahlt hatte, aber was brachte das jetzt? Nichts als Arbeit … und von der Insel hatte ich in noch gar nichts gesehen. Ich konnte nur hoffen, dass Hajo und Elena bald hier auftauchten, vielleicht konnte ich mit ihnen eine Tour machen, wenn Hendrik hier seinen Filmmarathon durchzog. Er war es doch, der verrückt war. Und Fluffy war nicht besser. Am besten ich schnappte mir Dehkah und haute ab. Sollte Hendrik doch zusehen, wer die bekloppte Touristin spielte.
Ich seufzte auf, trat ans Geländer und starrte hinaus auf die grünen Hügel. Fast konnte ich ihn riechen, den Dschungel, die ganzen Schlangen, die Spinnen und Insekten. Ich schauderte. Und doch konnte ich es nicht erwarten, da hinein zu kommen, wieder ein bisschen Abenteuer zu erleben, ehe wir in einer Blechbüchse ins Verderben tauchten. Oder vielleicht konnte ich Hendrik überreden, eine Dschungelszene mit einzubauen? Doch dann schüttelte ich den Kopf. Zu gefährlich. Der brachte es fertig und baute mich als Schlangenopfer ein.
Mein Handy summte, und ich schaute auf die SMS: „Wo seid Ihr? Liegt faul am Strand? Wir sitzen bei mir zum Briefing für die Expedition! Videoleitung steht. Grüße, Chefarzt.“
„Mist“, murmelte ich und stürmte zurück ins Hotelzimmer. Das hatte ich total vergessen! „Schnell, schmeiß den Rechner an. Es ist Briefing für die Expedition.“
„Keine Zeit“, brummte Hendrik.
Ich schob ihn zur Seite und zog unseren Laptop hervor. War ihm sein dämlicher Film wichtiger als die Expedition? Ich trommelte mit den Fingern, bis der Rechner endlich hochfuhr und sich ins Hotelnetzwerk einloggte.
Ich lächelte. Aber mir nicht. Auf zum Monsterdoc.

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