Schreiben im Mai 2012 – stetiger Strom

Ich arbeite kontinuierlich an meinem Projekt „Frakturen“ und berichte hier monatlich über den Schreibfortschritt.

Was lag an? Roman-Sonntag schreiben (Vormittag).

Was geschafft? 74000 Zeichen Frakturen (Roman-Sonntag, morgens)
Es geht stetig weiter. Vom erhofften / erwarteten Durchstarten keine Spur (Termine, Termine …), aber ich habe regelmäßig geschrieben, und das ist das Wichtigste.
Als ich den Sonntag Morgen für Johanna fertig hatte, ist mir mal wieder aufgefallen, dass ich leichter in Roberts Kopf einsteige als in Johannas. Auch wenn er derzeit ebenfalls viel grübelt, ist er ein Macher, entwickelt Pläne und fasst Entschlüsse. Und das fällt mir leichter als die lamentierende Johanna. Es ist natürlich gewollt und gut, dass sich die Figuren so grundlegend unterscheiden, da sollte es auch nicht wundern, dass sie mir unterschiedlich liegen.
Aber er wird sie schon mitziehen mit der Zeit 😉

Fazit? Das Wichtigste ist, dranzubleiben, auch wenn gerade wenig Zeit ist.

Textausschnitt: Woche 6, Sonntag, 30. Mai 2009, Vormittag (Bürgerpark)

Robert stürzte den Rest vom Kaffee hinab und stellte die Tasse ins Spülbecken. Er zog umständlich seine Jeans an, dann die Laufschuhe. Wahllos nahm er ein Flanellhemd aus dem Schrank und ging hinaus. Er hopste mehr die Treppe runter, als dass er ging. Doch sobald er unten war, hastete er aus dem Haus und in Richtung Park.
Zuerst humpelte er stark, doch er zwang sich zu einem gleichmäßigen, ruhigen Schritt, und je länger er unterwegs war, desto gleichmäßiger konnte er gehen. Das Knie gewöhnte sich an die Beugung, und bald ließ auch der Schmerz nach. Er konzentrierte sich auf den Bewegungsablauf und erreichte schließlich die ersten Bäume des Bürgerparks. Wehmütig schaute er den Joggern nach, doch er merkte, dass allein die Bewegung ihm gut tat, auch wenn er für seine Verhältnisse nur schlenderte.
Er seufzte auf, stopfte die Hände in die Hosentaschen und ging langsam weiter. Fast augenblicklich wanderten seine Gedanken wieder zu Johanna zurück. Es war wunderbar, dass sie seine Nähe wieder annehmen konnte, seine Hilfe. Robert fühlte seine Mundwinkel zucken, verkniff sich erst das Lächeln, doch dann ließ er es zu. Wie sehr er es genoss, den Arm um ihre Schultern legen zu dürfen. Dass er sie trösten durfte.
Eine Frau, sein Alter vielleicht, joggte ihm entgegen. Ihre Brüste schwangen in sanften Kurven auf und ab, geschmeidig das Spiel ihrer Muskeln an den Beinen. Sie sah ihm entgegen, lächelte offen. Sie hatte ein hübsches Gesicht, umrahmt von dunklen Haaren.
Robert beachtete sie nicht, ging einfach weiter. Früher hätte er ihr nachgesehen, nur um zu schauen, ob ihr Hintern auch so phantastisch aussah. Wäre vielleicht eine Schlaufe gelaufen, um sie einzuholen und eine Weile neben ihr zu joggen, mit ihr zu reden. Sie anzugraben.
Ungläubig schüttelte Robert den Kopf. Das alles interessierte ihn nicht mehr. Statt dessen sah er Johanna vor sich, wie sie bis zum Kinn zugedeckt in ihrem Bett lag, die Haut blass und glänzend, wie sich ihre Hand unter der Decke hervor schob. Wie glücklich es ihn gemachte, ihre kalten Finger zu umschließen, weil es zeigte, dass es ihr so wichtig war wie ihm, diesen Kontakt zu haben.
Was war nur mit ihm passiert? In den paar Wochen, in denen der Johanna kannte, hatte sie ihn total umgekrempelt. Er konnte an nichts anderes mehr denken, als an sie. Wie es ihr ging, was sie machte. Wie er ihr helfen konnte. Was hatte Johanna aus ihm gemacht?
Jetzt drehte er sich doch um, aber die Joggerin war fort. 

Wie geht es weiter? Roman-Sonntag weiter schreiben (Nachmittag).

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2 Antworten zu Schreiben im Mai 2012 – stetiger Strom

  1. notizbuchfragmente schreibt:

    Hey! 🙂
    Das ist ein schöner Textausschnitt (ist das der Bürgerpark in Bremen? YEAH!) – aber eine Sache hat mich stutzig gemacht: Du beschreibst die Beine und die sanfte Kurve der Brüste; das ist ja sehr genau. Und dann kommt als nächstes „Robert beachtete sie nicht.“ Häh? Ich weiß schon, dass es da um den Kontrast gehen soll, aber das fand ich etwas seltsam. 😉

    Was mir aber sehr gut gefällt, ist die dargestellte Introvertiertheit. Die mag ich; weil du mir nur den Bürgerpark anbietest, und dich sonst überhaupt nicht auf Roberts Umgebung einlässt. Ich hatte eben sofort „Bremer Bürgerpark“ im Kopf, den ich extrem schön fand, und deshalb schoss mir auch durch den Kopf: „Beachte mal die Umgebung!“. Das mag ich sehr, sehr gern. 😀

    Herzlichen Glückwunsch zum Durchhalten und beständigen Schreibfluss! Super, wenn sowas funktioniert; bei mir klappt das nicht immer, die Morgenseiten zwar schon, aber der Rest ist manchmal schwierig (ist aber momentan auch viel Arbeit).

    Liebe Grüße! 😀
    Julia

  2. Petra schreibt:

    @Julia: Willkommen auf meinem Blog 🙂
    Und lieben Dank für den Kommentar. Ich verstehe, was Du meinst. Robert ist der Typ Mann, der solche Sachen bemerkt, was ich meinte war, dass er nicht darauf reagiert, was er sieht. Ich werde das gleich ändern im Originaltext. Danke 🙂
    Ich habe in der Tat an den Bremer Park gedacht, als ich vor so langer Zeit anfing, meine beiden Figuren loszuschicken. Die Geschichte spielt aber in einer fiktiven Stadt namens Rotenvörde und liegt im Gebiet zwischen Bremen und Hamburg. Und mein Park ist nicht so groß 😉
    Ich bin eigentlich ein Vielschreiber und 74000 Zeichen im Monat ist wenig für mich. Das schreibe ich sonst in einer Woche … Aber es gibt so Zeiten, da ist so viel los, da ist dann mal die Zeit zu Ende 🙂 Aber ich versuche immer, am Ball zu bleiben, weil das Wiedereinsteigen so schwierig ist.

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