Schreiben im Juli 2012 – Novemberphänomen

Ich arbeite kontinuierlich an meinem Projekt „Frakturen“ und berichte hier monatlich über den Schreibfortschritt.

Was lag an? Roman-Sonntag Nachmittag schreiben.

Was geschafft? 138000 Zeichen Frakturen (Roman-Sonntag, früher Nachmittag)
Es stand ein schwieriges Gespräch zwischen Johanna und Robert an, ich hatte eine lange Agenda, über was sie alles sprechen sollten. Insgesamt hat das gut geklappt, ich habe nur häufiger die Reihenfolge umgestellt, weil es sinnvoller erschien. Mir graute etwas vor dieser langen Szene, weil sie sich über etliche Schreibtage hinziehen würde. Als ich sie einmal angefangen hatte, war dann auch die Motivation entsprechend groß, sie mit möglichst wenig Pause zu Ende zu schreiben.
Danach wurde das Schreibtempo dann wieder langsamer, aber insgesamt ein sehr guter Monat 🙂

Fazit? Wenn der Antrieb da ist, läuft es (Novemberphänomen 😉 ).

Textausschnitt: Woche 6, Sonntag, 30. Mai 2009, früher Nachmittag (Johannas Wohnung)

Wärme strömte von Roberts Hand an meinen Arm, so wunderbare Wärme. Ich fror schon wieder, als würde ich noch immer halb nackt auf dem Kellerboden liegen. Doch wir standen in meiner Küche, Robert dicht vor mir. Obwohl ich die Augen geschlossen hatte, spürte ich seine Gegenwart, ganz nah. Er holte tief Luft, und sofort sah ich vor mir, wie seine Brust sich langsam dabei hob.
Sehnsucht rammte sich wieder in meinen Bauch. Nach seiner Stärke, seinem Herzschlag. Dass er alles gut machen würde und die Bilder wieder aus meinem Kopf verscheuchen konnte. Ich schauderte wieder. Konnte ich nicht mal ein paar Minuten durchhalten, ohne gleich wieder vom Keller runtergezogen zu werden? Warum hielt es nicht?
Nur ein paar Minuten vergessen, was gewesen war. Mehr wünschte ich mir nicht. War das wirklich zu viel verlangt? Nur ein bisschen Ruhe, damit ich Kraft sammeln konnte. Damit ich widerstehen konnte. Ich zitterte wieder, weil das alles so aussichtslos war.
Wieder hörte ich Roberts tiefen Atem, fast ein Seufzer. „Jo?“
Seine Stimme war so sanft wie seine Hand. Ein Angebot. Bot mir an, etwas von seiner Kraft, von seiner Stärke zu nehmen. Er streichelte meinen Arm hinab, dann verlor ich das Gefühl, weil er am Cast war, doch dann spürte ich seine warmen Finger an meiner rechten Hand. Er umfing sie, und ich schauderte wieder, weil er so viel wärmer war als ich.
Ganz leicht nur zog Robert an meiner Hand, ich spürte es kaum. Und doch löste ich meine linke Hand von der Ablage, fast wie von selbst. Ich hob den Kopf, machte meine Augen nicht auf und fiel vor. Doch Robert stand mir so nahe, dass ich fast augenblicklich gegen ihn lehnte. Meine Stirn lag gegen seinen Hals, und ich presste mein Ohr gegen seinen Körper. Wieder atmete er tief ein, wiegte mich sanft dabei, dann legte er seinen Kopf gegen meinen. Ich spürte jetzt seinen Arm um meine Schultern, den sanften Druck, mit dem er mich gegen seine Brust drückte.
Sein Herz schlug bedächtig, stetig. So viel langsamer als mein eigenes. Das tiefe Bu-bumm füllte einen Kopf, Schlag um Schlag, drängte alles davon, bis ich nur noch Roberts Nähe spürte.
Ich seufzte auf und ließ mich hinein fallen.

Wie geht es weiter? Sonntag Nachmittag schreiben.

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2 Antworten zu Schreiben im Juli 2012 – Novemberphänomen

  1. Cathrin Block schreibt:

    Kein Wunder, dass Frakturen so ein Monsterprojekt ist. Wenn du für ca. 30 Sekunden schon eine ganze Seite brauchst … 🙂 Super!!!

  2. Petra schreibt:

    @Cathrin: Hihi, danke 🙂 Und das ist ja nur die eine Seite der Medaille. Robert hat dann auch schon noch seinen Teil dazu zu sagen. Bei dem Projekt habe ich alle Konventionen über Bord geworfen und wechsele auch innerhalb des Kapitels die Perspektive, wenn das neue Informationen bringt.

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