Schreiben im November 2012 – NaNoWriMo-Wahnsinn

Ich arbeite kontinuierlich an meinem Projekt „Frakturen“ und berichte hier monatlich über den Schreibfortschritt.

Was lag an? Roman-Sonntag weiter schreiben.

Was geschafft? 418000 Zeichen Frakturen (Roman-Sonntag, Nachmittag), gut 71000 Worte
Das ist alles schon wieder so weit weg in meinem Kopf, ich stecke noch voll in der Expedition (die heute zu Ende geht). Nach meinem letzten NaNo-Post vom 25.11. ist nicht mehr viel passiert – Montag Morgen habe ich noch 900 Worte geschrieben, danach war ich nur noch virtuell unterwegs.
Zwischendrin hatte ich mal einen Durchhänger, es bleibt halt doch viel liegen, wenn man nicht nur morgens schreibt sondern abends auch noch. Oft war es dann aber so, dass es noch mal richtig gut lief, und ich doch länger saß als geplant.

Und an dieser Stelle noch einmal lieben Dank an Siliel und Arthurion, weil sie mich über Twitter dazu gebracht haben, auch dieses Jahr mitzumachen 🙂

Und für viel geschriebenen Text gibt es auch mal einen längeren Textausschnitt. Aber Vorsicht – nicht korrekturgelesen 😉

Fazit? NaNoWriMo ist immer wieder ein Erlebnis!

Textausschnitt: Woche 7, Pfingstmontag, 01. Juni 2009, frühe Nacht (Johannas
Wohnung)

„Du brauchst nicht bleiben heute“, sagte Johanna.
Roberts Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Brauchst nicht? Doch er hinterfragte es nicht, obwohl ihm klar war, dass sie „sollst nicht“ meinte. Er drückte seine Enttäuschung weg, doch er brachte es nicht fertig zu nicken.
Johannas Blick sackte ab. „Ich muss“, flüsterte sie, „üben.“
Üben? Was wollte sie denn jetzt noch üben? Es war mitten in der Nacht! Hatte sie nicht gerade gesagt, sie wollte schlafen? Doch dann wurde ihm klar, dass sie genau das meinte. Schlafen üben. Allein, ohne ihn. Auf einmal schämte er sich für seine Enttäuschung, als ihm klar wurde, wie schwer das alles für Johanna sein musste. „Für morgen?“, fragte er sanft.
Sie seufzte auf und nickte.
Robert griff nach ihrer Hand, umfing sie mit seinen beiden Händen. Es tat ihm leid, dass er jetzt gehen musste, aber wenn sie es so wollte, so brauchte, dann würde er schnell gehen, es nicht noch lange hinziehen. Das würde sie nur länger auf den Beinen halten als nötig.
„Das klappt“, sagte er leise, aber mit fester Stimme. „Heute und morgen auch.“ Er strich über ihre Hand. „Du hast heute so viel besser geschlafen, Jo, da wird das auch gehen.“
Sie schauderte leicht, und ihre Finger klammerten sich um seine.
Er schluckte. „Und wenn nicht, Jo, du kannst mich jederzeit anrufen. OK?“
Sie holte tief Luft, sah dann zu ihm auf. Ihre Augen schimmerten feucht, doch sie nickte.
„Heute noch“, sagte er wieder, „oder morgen. Ganz egal.“ Er drückte wieder ihre Hand. „Jederzeit. Und dann komme ich.“
„OK“, sagte sie leise und holte noch einmal tief Luft. „Danke, Bobby.“
Er lächelte aufmunternd, und alles in ihm schrie danach, weil er jetzt nicht gehen wollte, weil er sie morgen nicht sehen würde. Und über Dienstag hatten sie noch gar nicht gesprochen. Sein Herz tat so weh, als ob es herausspringen und hier bleiben wollte.
Doch er lächelte, aufmunternd, weil er es Johanna leichter machen wollte, ihr Zuversicht geben wollte, dass sie es schaffte, jetzt gleich allein ins Bett zu gehen und ruhig zu schlafen. Dass sie das ohne ihn konnte. Und er durfte es jetzt nicht herauszögern, er musste einfach gehen und sie machen lassen, was sie für richtig hielt. Und sie dann morgen anrufen, damit er wenigstens mit ihr sprechen konnte.
Er ließ ihre Hand sinken und ging einen Schritt in Richtung Tür. Johanna hielt ihn noch immer fest, und sie gingen gemeinsam zum Flur. Robert musste sie dort loslassen, damit er sich anziehen konnte. Johanna ging hinter ihm zur Tür, umfasste die Klinke, als wollte sie ihn rauswerfen. Oder sich festhalten.
Robert zog schnell seine Jacke an. Er war so verkrampft, dass er erst den Ärmel nicht traf, doch dann hatte er das Teil angezogen. Er bückte sich, nahm den Rucksack auf. Johanna machte die Tür auf, und Robert holte tief Luft, als sie es nicht sehen konnte und ging dann hinaus. Doch er drehte sich gleich um, nahm Johannas Hand. Noch immer schimmerten ihre Augen feucht. Irgendwie gab ihm das die Kraft, stark zu sein, um es für Johanna nicht noch schlimmer zu machen. Er lächelte, hob dann ihre Hand und küsste sie. Er genoss den langen Augenblick, dann senkte er sie wieder und sah Johanna an. „Jederzeit, Jo.“
Sie nickte.
Er brachte es nicht über sich, ihr einen schönen Tag mit Regina zu wünschen, doch er zwang sich, ihre Hand loszulassen. Dann ging er einen Schritt zurück, dann noch einen. „Gute Nacht, mein Spatz“, sagte er. „Schlaf schön.“
„Du auch“, flüsterte sie, und eine Träne lief über ihre Wange.
Robert drehte sie um und ging die Treppe hinab. Unten an der Kehre sah er sofort zu ihr auf. Sie stand noch reglos und sah ihm nach. Er schenkte ihr noch ein Lächeln, dann wandte er den Blick ab und ging die Stufen hinunter. Mit jedem Schritt wurde sein Hals enger, und als er unten ankam, musste er schlucken, sonst hätte er selbst losgeheult. Er hörte die Wohnungstür oben zugehen, dann den Schlüssel.
Unwirsch wischte er sich die Augen, dann ging er hinaus. Er wollte es nicht, doch er ging langsam über die Straße, umklammerte den Rucksack so fest, dass seine Faust zitterte. Auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig hielt er an. Was glaubte er eigentlich? Dass sie jetzt mitten in der Nacht aus dem Fenster sehen würde? Wo sie jetzt so dringend schlafen musste?
Doch er drehte sich um, spähte hinauf.
Und da stand sie. Er sah ihre Silhouette im Küchenfenster, erleuchtet vom Licht, das aus dem Wohnzimmer hinein fiel. Robert löste die Faust und hob die Hand. Johanna winkte zurück. Da sie sich nicht abwandte, legte er beide Hände zusammen und drückte sie gegen seine Wange wie ein Kissen. Er sah den Schatten nicken und er lächelte breit, obwohl es ihm schwer fiel, doch er hoffte, dass sie es im Schein der Straßenlaterne sehen konnte. Dann winkte er noch einmal und wandte sich ab zu seinem Auto.

Wie geht es weiter? Montag beenden.

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