Verschollen – Mars13

Der Wind biss in meine Wangen, und ich zog die Kapuze fester. Verdammte Kälte, und das im September! Ich schauderte und stapfte weiter die Straße entlang. Fehlte nicht viel, und es begann zu schneien. Was kam Basadai auch auf die Idee, bei dem Wetter ein Kindergartenfest zu machen?
Vielleicht hätte ich doch besser zuhause bleiben sollen. Aber was sollte ich da? Hendrik und Fluffy waren mal wieder zu Filmarbeiten unterwegs und Dehkah war ausgeflogen schon seit gestern. Keine Ahnung, wo der sich wieder herumtrieb. Vielleicht bei der kleinen Angoramitze, die vor ein paar Wochen nach Defihausen gezogen war.
Ich presste die Lippen aufeinander und schob das Gefühl weg, das sich in meinem Bauch breit machte. „Verlassen“, hauchte es mir zu, „allein, nutzlos.“
Ich schnaufte und stopfte die Hände in die Hosentaschen. Nutzlos … Seid Kuli die Neue eingestellt hatte, eine Tucke namens Tablett oder so, kriegte sie die ganzen spannenden Aufgaben. Schneller hatte Kuli gesagt. Ja, vielleicht war sie schneller als die gute, alte Federkiel. Aber nicht besser.
Ich kickte gegen einen Stein und beobachtete, wie er knapp an Cheffes Auto vorbei sprang und dann in den Blättern um den Reifen verschwand. Cheffe hatte ich auch schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Hatte sich abgemeldet zum Urlaub und ward seit dem nicht mehr gesehen. Insgeheim hoffte ich ja, dass er an der neuen Expedition arbeitete, aber auch davon hatte ich seit Monaten nichts mehr gehört.
„Verlassen“, murmelte es wieder in mir. „Allein.“
„Quatsch“, sagte ich laut und erschreckte von meiner eigenen Stimme. Rasch schaute mich um, ob mich auch keiner gehört hatte. Sonst kam zu langsam auch noch verrückt dazu.
Mein Blick huschte über Cheffes Garten. Abrupt blieb ich stehen und starrte unter die Büsche. „Carsten?“ Ich trat an den Zaun und umklammerte die Latten. „Carsten?!“
Etwas lag unter dem Busch, und es sah verdammt nach einem Panda aus. Das Fellbündel rührte sich nicht. Ich riss das Gartentor auf und rannte los. Wirklich, es war Carsten, das Fell irgendwie klebrig. „Du liebe Güte“, murmelte ich und tastete über den kleinen Körper. Er war warm, immerhin, doch sein Atem ging schnell und oberflächlich. Carsten war immer gut genährt gewesen, aber jetzt kam er mir abgemagert vor.
Ich sprang auf und rannte zur Haustür, klingelte Sturm. Doch nichts tat sich im Haus. Ich spähte durch die Scheibe der Tür, und beinahe kam es mir so vor, als könnte ich die Spinnenweben sehen, die von der Decke hingen. Ein Briefestapel ergoss sich von der Haustür in den Flur. Cheffe war lange nicht hier gewesen.
Wo war der Kerl? Wieso kümmerte sich niemand um Carsten?
Ich hastete zurück in den Garten und fiel auf die Knie. „Carsten? Carsten!“ Ich streichelte über seinen Kopf, vermied die klebrigen Stellen. „Hey, Kleiner! Wach auf!“
Tatsächlich rege er sich unter meinen Händen, blinzelte träge. Dann zuckte er vor mir zurück.
„Ganz ruhig, mein Kleiner. Ich bin’s. Federkiel.“ Ich streckte wieder die Hand nach ihm aus, ließ ihn an meinen Fingern schnüffeln. „Ganz ruhig, du kennst mich doch.“
Vorsichtig roch Carsten an meinen Fingern, dann schleckte er einmal darüber. „Gut so, mein Kleiner“, gurrte ich. Was ging hier vor? Carsten war doch sonst nicht so schreckhaft!
Behutsam hob ich ihn hoch. Er zitterte, klammerte sich dann so fest an mich, dass er mir fast die Luft abdrückte.
Etwas stimmte hier nicht.
Ich sah zurück zu Cheffes Haus, und plötzlich sah es verlassen aus, der Garten verwildert. Als ob er vor zwei Monaten gegangen wäre und seit dem nicht hier gewesen war. Was war das für ein seltsamer Urlaub?
Ich drückte Carsten an mich und ging nach Hause.
Etwas stimmte hier ganz und gar nicht …

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9 Antworten zu Verschollen – Mars13

  1. Meine Güte, was ist da passiert? Da denkt man an nix Schlimmes, feiert schön auf dem Kindergartenfest und dann so was. Wunderte mich auch schon, dass Jumpy auf einmal so aufgeregt weggehopst ist. Viel zu aufgeregt.
    Wir müssen Cheffe suchen, sonst wird das nix mit unserer Expedition.

  2. Federkiel schreibt:

    @Basadai: Auf jeden Fall! Aus Carsten habe ich noch nichts rausgekriegt. Ich konnte ihm etwas Suppe einflößen und jetzt pennt er. Vielleicht hat Jumpy mehr Glück mit ihm …

  3. gedankenknick schreibt:

    Der Cheffe versucht bestimmt grad in England eine Technologie aufzutreiben, mit der man unter simulierter Schwerelosigkeit trainieren kann. Und da das hoch geheim ist, ist er natürlich erst mal „verschwunden“. Hoffen wir mal, dass nicht die NSA in die Sache verwickelt ist… 😉

  4. Federkiel schreibt:

    @Gedankenknick: Weißt du da mehr? Klingt spannend! Ich fürchte allerdings, dass mehr dahinter steckt. Der Cheffe würde sonst nie Carsten so … verwahrlosen lassen.

  5. chefarzt schreibt:

    Ihr werdet nicht glauben was passiert ist … England … *fasel* *fasel*, ich wollte nur kurz mal rüber um mich mit Hajo zu treffen und dann … ich muss euch das erzählen. Carsten! Ein Glück, er lebt! Die haben mich nicht mehr zu ihm gelassen … jetzt aber eins nach dem anderen …

  6. Federkiel schreibt:

    @Cheffe: Meine Güte, du siehst auch nicht so viel besser aus als Carsten! Hier, nimm ein Süppchen! Ich bin schon sehr gespannt, was eigentlich passiert ist! Und ich bin froh, dass du wieder da bist!

  7. chefarzt schreibt:

    Danke! Ich werde berichten. Aber jetzt kümmere ich mich erst mal um Carsten …

  8. Federkiel schreibt:

    *murmel* Und da ziehen sie ab die beiden. *nachseh* Aber ich werde sie im Auge behalten!

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