Schreiben im November 2013 – Tippen, was das Zeug hält

Ich arbeite kontinuierlich an meinem Projekt „Frakturen“ und berichte hier monatlich über den Schreibfortschritt.

Was lag an? Den Freitag und weiter bis der NaNo vorbei ist!

Was geschrieben? 365000 Zeichen Frakturen (Roman-Freitag bis Sonntag)
Der Start des NaNoWriMo war super! Dies war der 5. NaNo auf dem Frakturen-Projekt, und nie hatte ich 25000 Worte schneller erreicht als dieses Mal (Tag 7). Es lief weiter gut, 36000 Worte bis zum Start der Expedition am 11. November. Die Woche auf dem Mars war wunderbar 🙂 Und natürlich habe ich da nichts am NaNo geschrieben. Leider musste ich danach drei Tage auf Dienstreise, was mir in zweierlei Hinsicht ein Problem bescherte – ich konnte den Mars nicht gebührend verabschieden, und so kam ich auch in den Roman nicht wieder richtig rein. So hatte ich insgesamt eine Pause von 10 Tagen im NaNo!
Die letzten 10 Tage hielt ich einen Durchschnitt von etwa 2000 Worten am Tag, aber das war doch recht anstrengend. Die 50000 schaffte ich am 27. November – so spät wie noch nie. Fulminanter Start, angestrengtes Ende.

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Dieses Mal war ich zum ersten Mal in einer Gruppe unterwegs während des NaNos und ich muss sagen, es hat mir sehr gefallen 🙂 Als ich gerade mal wieder Lust auf Action hatte und doch nur Gerede auf dem Plan stand, lieh man mir sogar einen Dämon aus, der sich prompt in meinen Roman schlich (siehe unten).
Vielen Dank an die Gruppe, ich hoffe, wir machen weiter auch ohne NaNo 🙂

Viel geschrieben, langer Ausschnitt. Und so, wie er am 7. November entstand.

Fazit? Zeit zum Schreiben findet sich immer – wenn man wirklich danach sucht!

Textausschnitt: Woche 7, Freitag, 05. Juni 2009, früher morgen (Johannas Wohnung)

Die Handschelle klirrt, reißt an meiner Hand. Glühend zieht der Schmerz meinen Arm hinauf. Ich keuche auf, zum Schreien habe ich keine Kraft mehr. Ich kauere an der Stange, suche Halt, doch sie ist kalt und unnachgiebig, sie bietet mir keinen Schutz. Ein Krampf zieht durch meine Eingeweide, ich spüre den widerlichen Druck an meinem Po, spüre die Scheiße, wie sie sich schon fast aus mir rausdrückt. Ich muss kacken, aber ich kann nicht. Wohin? Wie? Es würde mich umbringen. Schwarz hockt die Hoffnungslosigkeit in meiner Seele. Niemals werde ich das hier überleben. Überleben können. Es bringt mich um, Stück für Stück. Nicht der Schmerz, aber die Hoffnungslosigkeit.
Wieder krampfte ich mich zusammen, ich zittere, meine Hand zittert mit, und der Schmerz lässt mich wimmern. Mein Atem stockt, dann huste ich, und mein Rücken explodiert.
Aber ich Kacke ist da, sie muss raus. Ich will nicht an meiner eigenen Scheiße sterben. Ich beiße die Zähne aufeinander, ziehe mich hoch. Ich atme nicht, kann es nicht.
Doch etwas atmet.
Ich erstarre, zusammengekauert.
Etwas ist da, ist mit mir im Raum. Ich spüre seine Gegenwart, spüre Atem, der nicht meiner ist. „Weiter.“ Ein Hauch nur, doch ich weiß, dass es mit mir spricht. „Weiter.“
Die Luft presst in meine Lungen, ich atme stockend ein.
„Weiter.“
Mein Atem geht stoßweise, sticht in meinen Rücken. Ich hebe den Kopf, sehe mich um. Niemand ist da.
„Weiter.“ Nur ein Ausatmen.
Ich sehe niemanden. Noch während ich die Tür meines Gefängnisses ansehe, zieht sich das Holz zusammen, als presse es die Lippen aufeinander. Und dann öffnet sich der Mund, zeigt seine krummen, spitzen Zähne. Das Zahnfleisch ist dunkel, Blut sifft aus Rissen und Löchern. Der Gestank nimmt mir den Atem, verrottendes Fleisch, Blut. Scheiße.
Ich umklammere die Stange, starre das Ding an. Der Mund in der Tür bewegt sich, die Zahnreihen mahlen aufeinander, reißen neue Löcher in das Fleisch. Blut tropft auf den Boden. Der Mund sieht mich an, auch wenn er keine Augen hat. Beobachtet jede meiner Bewegungen. Ich will weg, einfach nur weg, aber meine Hand ist festgekettet, und die Stange bewegt sich nicht.
„Weiter.“
Aber ich kann nicht, es ist zu schwer, es ist zu erniedrigend. Ich kann mich hier nicht hinhocken und auf den Boden kacken, nur eine Armlänge von der Stange entfernt. Ich kann einfach nicht.
Ich schüttelte den Kopf.
Mit einem tiefen Grollen öffnet sich der Mund. Langsam, schmatzend. Es bewegt sich was im Innern, kommt auf mich zu. Ich schreie, irgendwo her kommt die Luft dafür. Meine linke Hand umklammert die Stange hält mich aufrecht, obwohl alles an mir vor Angst schlottert.
„Weiter“, haucht der Mund, und ein Schwall Fäulnis schwappt über mich.
„Ich kann nicht“, flüstere ich tonlos. „Ich kann nicht.“
Etwas Rotes schlängelt sich im Innern, doch es ist keine Zunge. Arme greifen nach vorne, umfassen die Zähne und das rote Etwas zieht sich weiter vor. Ein rotglänzender Schädel erscheint, Muskeln ohne Haut, die Nase ein Schlitz, Zähne wie die Hauer eines Wildschweins. Die roten Ohren sind spitz, die Augen blutunterlaufen und dunkel. Zwei Hörnerpaare sprießen aus dem Kopf heraus, an der Seite, an der Stirn.
Ich starre es an, den Dämon, sehe ihm zu, wie er sich Stück für Stück aus dem Mund herauszieht. Die Muskeln an seinen Armen schwellen an, glänzend und sehnig. Ohne Haut. Starke Arme an breiten Schultern, der Brustkorb strotzt vor Muskeln. Und der Dämon sieht mich an. Seine roten Augen verlassen mich keine Sekunde. Sein Mund steht offen, die riesigen Hauer geöffnet.
Mein Atem geht schnell und flach. Ich will diese Höllenkreatur nicht sehen, doch ich kann den Blick nicht abwenden.
„Weiter“, raunt der Mund.
Der Dämon gleitet auf den Boden, ohne Beine, der Körper eine hautlose Schlange. Er stützt sich am Boden ab, zieht sich mit seinen Händen voran. Schlank sind seine Hände, die Finger lang, beinahe grazil, doch sie enden in langen Krallen. Die Haut glänzt vor Blut, die Finger hinterlassen rote Spuren auf dem Betonboden.
Er kommt näher, immer näher, und ich weiß, er wird hier so lange hocken, bis ich meine Hose runterziehe und auf den Beton zu kacke. Egal, ob ich dabei vor Schmerz bewusstlos werde. Egal, ob ich sich das in meine Seele brennt vor Scham. Egal ob dieser Makel mich langsam tötet. Nur deswegen ist er gekommen.
Der Dämon ist nur noch eine Armeslänge entfernt. Ich höre seinen Atem. Sein Herz schlägt laut, eine Trommel in seiner massigen Brust. Er stützt sich auf seine Arme, sieht mich an. Eine lange, spitze Zunge gleitet hinter den Hauern entlang.
Ich habe aufgehört zu atmen, ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr.
Der Dämon hebt eine Hand vom Boden, streckt sie mir entgegen. Grazile, rote Finger. Warum fällt er nicht um, denke ich noch. Doch das tut er nicht, sein Schlangenkörper stützt ihn ab. Er dreht die Handfläche nach oben, als wollte er mich bei der Hand nehmen und mir aufhelfen, damit ich es endlich hinter mich bringe. Damit er zusehen kann. Damit er mich damit verfolgen kann.

Zischend atmete ich ein, fuhr hoch. Ein Schrei steckte in meiner Kehle, und ich presste die Hand vor den Mund. Ich kniff die Lider zusammen, doch dann riss ich die Augen wieder auf, weil ich noch immer der Schlangendämon vor mir sah, glänzend, rot, ohne Haut.
Grazile, lange Finger.
Roberts Finger.

Wie geht es weiter? Den Sonntag und damit die Woche 7 beenden

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