Erlass zur Bewegungsrestriktion von Beuteltieren – Blogsoap

Ich stürmte ins Rathaus, den Zettel in meiner Hand umklammert. Das konnte er nicht machen! Da war man kaum mal eine Woche weg, und Defihausen spielte verrückt!
„Federkiel?“ Tina Fisch sprang auf, als ich in ihr Büro stürmte. „Du kannst da nicht rein, Bürgermeister Tracheo ist nicht …“
Ich riss die Tür zum Bürgermeisterzimmer auf. Larynx Tracheo saß hinter seinem blitzsauberen Schreibtisch, die Füße hochgelegt, und schnarchte. Ich knallte die Tür hinter mir zu, und sperrte die verdatterte Tina aus. Larynx zuckte zusammen und zog seine Füße vom Tisch. Er blinzelte.
Ich baute mich vor seinem Schreibtisch auf und wedelte mit dem Ausdruck. „Hast du jetzt ganz den Verstand verloren?“
Larynx blinzelte wieder. „Was …“ Seine sonst so kehlige Stimme klang belegt. Er räusperte sich. „Was ist das?“
Ich warf ihm den Zettel vor die Nase. Die Überschrift war so groß, dass ich sie sogar auf die Entfernung lesen konnte: „Erlass zur Bewegungsrestriktion von Beuteltieren“.

„Ah“, machte Larynx und zog die Augenbrauen zusammen. „Woher hast du das? Das ist geheim!“
„Weich nicht aus, Larry. Was ist das für ein Schwachsinn?“ Ich stemmte die Fäuste auf den Tisch und beugte mich vor.
Larynx lehnte sich in den Stuhl zurück und schaffte wieder Abstand zwischen uns. Er schaute mich nicht an, als er sagte: „Es gab Beschwerden.“
„Worüber? Von wem?“
„Mal ehrlich, Federkiel.“ Er sah auf und hielt den Zettel hoch wie einen Schild. „Diese Baumkängurus hängen in der ganzen Stadt herum. Im Supermarkt, im Klinikum, im Stadtpark, in der Rettungswache.“
Ich rollte mit den Augen. Carsten war häufig in der Rettungswache, und der war kein Beuteltier. „Und wen stört das?“, fauchte ich. „Soweit ich mich erinnere, ist nie etwas vorgefallen. Weder im Supermarkt, noch im Klinikum oder sonst wo!“
„Aber … es … es gehört sich nicht.“
Ich holte tief Luft. Wie gut, dass Fluffy und Jumpy noch mit Vincent bei Mutze in der Rehaklinik waren. Die hätten Larynx gehörig die Meinung gegeigt. „Und der Überfall auf Bluas Buchladen, den das BSEK vereitelt hat? Gehört sich das? Oder das Feuer, das sie im Sektioweg entdeckt haben? Hättest du gerne wieder Platz zum Bauen gehabt? Oder als der Tigon aus dem Zoo ausgebrochen ist und …“
„Schon gut!“ Larynx hob die Hände. „Schon gut.“
„Larry“, sagte ich und versuchte vernünftig zu klingen. „Das BSEK gehört zu Defihausen. Zur ganzen Stadt.“ Ich stieß meinen Finger auf das Papier. „Du kannst die Baumis nicht einfach in den Stadtpark verbannen.“ Da würden sie ohnehin nicht bleiben, egal wie viele Erlasse Larynx zusammenzimmerte. Ich lächelte. „Da könntest du ja gleich den Leuten vorschreiben, dass sie keinen Mundschutz nicht mehr tragen dürfen.“
Larynx’ Hand fuhr ins Gesicht und bedeckte seinen Mundschutz, ein schlichtes schwarzes Modell. Doch dann ließ er sie wieder sinken. „Aber wenn sie jetzt brüten …“
Brüten? Vielleicht sollten wir ein paar Aasgeier anschaffen, die könnten brüten. „Vincent ist gar nicht mehr hier“, sagte ich und spürte einen Stich in der Brust. Ich hatte ihn erst vor drei Tagen bei Mutze zurückgelassen, und ich vermisste ihn so sehr. Aber er gehörte jetzt zu ihr.
Larynx atmete auf. „Ich dachte schon, dass es dann eine Invasion geben würde und …“ Er brach ab.
Und einer von ihnen irgendwann Bürgermeister würde? Ja, ich wäre dafür. „Zieh den Erlass zurück, Larry. Das ist einfach lächerlich.“
„Aber die Leute …“
„Haben einfach keine Ahnung. Ich war bei Maxillus, es gibt keine einzige schriftliche Beschwerde.“ Vermutlich hatte er sie alle durch den Schredder gejagt. Seit sein Kater Mandibulus mit dem BSEK trainierte, hatten die Baumis einen Stein im Brett beim Polizeichef.
Larynx starrte auf den Zettel.
„Wer sich beschwert, soll in die Redaktion kommen. Oder in den Kindergarten.“ Ich lächelte. „Zeig Rückgrat, Larry, und unterstütze das BSEK. Wenn du erst das Wahlrecht für Tiere eingeführt hast, kann dich keiner mehr vom Bürgermeisterstuhl stoßen.“
Der Kopf des kommissarischen Bürgermeisters Larynx Tracheo ruckte hoch. Er sah mich an, und seine Augen funkelten. Langsam begann er zu lächeln. Dann nahm er den Zettel und knüllte ihn zusammen.

Mehr von Defihausen? Besuch doch die Artikelübersicht im Bürgermeisteramt.

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4 Antworten zu Erlass zur Bewegungsrestriktion von Beuteltieren – Blogsoap

  1. basadai schreibt:

    Pffft. Ohne BSEK kein Defihausen. Ignoranten. Ich sollte mal wieder eine Spezial-Trainingsstunde mit den Baumis einlegen, Gold-Standard.

  2. Federkiel schreibt:

    Auf jeden Fall. Ich bin mir nicht sicher, wann Fluffy und Jumpy wiederkommen, aber dann geht die Post ab 🙂

  3. chefarzt schreibt:

    Typisch Ämter eben. Gut, dass Larry es zurückgezogen hat.!

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